Schwedische Auflagen treiben Nordea nach Finnland

ERM
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07. September 2017
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Von Max Colchester

Konfrontiert mit rigiden Auflagen drohen Banker gelegentlich mit Wegzug in einen weniger stark regulierten Rechtsraum. Ein etablierter Spieler der Branche lässt diesen Worten jetzt Taten folgen. Nordea, größter Kreditgeber Skandinaviens, zieht es von Schweden nach Finnland – also auch in den Hafen der europäischen Bankenunion. Zugleich springen für den Finanzkonzern Einsparungen von 1 Mrd. Euro heraus. Der Umzug nach Helsinki soll im zweiten Halbjahr 2018 erfolgen.

Bis jetzt waren Bankkonzerne immer groß mit Drohungen und klein mit Taten. Doch Nordea scheint es ernst zu sein. Dagegen lamentierte HSBC immer wieder darüber, London den Rücken zuzukehren, votierte im Vorjahr dann aber klipp und klar für einen Verbleib an der Themse. Nordeas Schritt markiert das erste Mal seit der Finanzkrise, dass eine europäische Großbank aus regulatorischen Gründen Politikern und Aufsehern die kalte Schulter zeigt. Im Verlauf dieses Jahres hatte das Unternehmen der schwedischen Politik sehr deutlich einen Weggang angedroht, nachdem der Gesetzgeber die Gebühren kräftig angehoben hatte, die für den Fall einkassiert werden, dass eine Bank in Schieflage gerät. Zudem sind in Schweden im europäischen Vergleich äußerst strenge Kapitalauflagen in Kraft. Nordea, die in Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland operiert, will mit ihrem Schritt gerade auch Kosten für Einlagegarantien sparen.

EZB milderer Regulator als die Schweden
"Wir forderten Zuverlässigkeit", empört sich Nordeas Chef Casper von Koskull. Gemäß EU-Recht überwacht die Europäische Zentralbank (EZB) die größten Banken der Eurozone. Diese seit 2014 fortschreitende Aufsicht könnte letztlich gleiche Regeln im gesamten Währungsraum schaffen. So sollen auch die Abwicklungsregeln für marode Institute am Ende durch ein Einlagensicherungssystem gestützt werden. Für Großbanken ist das besonders attraktiv. Zwar ist Nordea auf ihrem Heimatmarkt ziemlich riesig, aber in der Eurozone im Prinzip nicht sonderlich groß, auch wenn die Bilanzsumme Ende 2016 das Dreifache des finnischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) betrug. Analysten rechnen mit einem Rückgang der Kapitalanforderungen für Nordea, wenn die EZB zum Hauptregulator wird. Im Euroraum wird weniger drakonisch als in Schweden reguliert. In einer Mitteilung spricht Nordea aber davon, dass der Einfluss auf die Kapitalanforderungen noch nicht beziffert werden könne.

Für die Bankenunion könnte Nordea ein willkommener Neuzugang sein. Vor geraumer Zeit hatten die Schweden im Anfangsstadium Fusionsgespräche mit ABN Amro geführt, zum Teil mit der Hoffnung auf eine neue Konzernzentrale in den Niederlanden. Die Märkte sehen Nordea als einen möglichen Vorreiter bei der zunehmend fälligen Bankenkonsolidierung in Europa an. EZB-Vertreter dürften sich deswegen über eine mögliche Zunahme von grenzüberschreitende EU-Bankenfusionen freuen, um dem Projekt der Bankenunion mehr Geltung zu verschaffen. Für Schweden dagegen ist Nordeas Entscheidung ein bitterer Rückschlag. Im Jahr 1991 kaufte Stockholm einen Anteil an der Nordbanken, aus der letztlich Nordea entstand. Angesichts einer sich 1992 verschärfenden nationalen Finanzkrise übernahm die Regierung dann den Rest von Nordbanken. Erst 2013 trennte sich die Politik von allen Anteilen an Nordea. Ein Trostpflaster gibt es für die düpierten Spitzenpolitiker dann aber doch: Nordea wird weiterhin an den Börsen Stockholm, Helsinki und Kopenhagen notieren. (DJN)

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