Sind Verlustquoten und Ausfallraten regional verschieden?

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02. Januar 2018
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Von Florian Kaposty, Matthias Löderbusch, Andreas Pfingsten

Der vorliegende Beitrag untersucht geografische Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Verlustquoten und Ausfallraten im deutschen Leasingmarkt. Hierzu greifen wir auf einen einzigartigen Datensatz einer mittelgroßen deutschen Bank mit insgesamt 26.735 in Deutschland abgeschlossenen Leasingverträgen zurück, von denen 1.185 Kontrakte im Zeitraum 2009 bis 2014 ausgefallen sind. Sowohl auf Ebene der Bundesländer als auch auf Kreisebene zeigen die deskriptiven Analysen regionale Besonderheiten für den Loss Given Default und die Ausfallraten. Die deskriptiven Analysen zeigen ferner, dass Regionen, in denen besonders hohe Verlustquoten ermittelt werden, nur selten ebenfalls hohe Ausfallraten haben. Diese Studie beinhaltet außerdem praxisnahe Empfehlungen und Ergebnisse für Leasinggesellschaften und stellt eine wertvolle Vergleichsmöglichkeit für diese dar, weil die analysierten Größen in der Regel nicht öffentlich frei verfügbar sind.

In den letzten Jahren steigende Leasingquoten deuten eine zunehmend wichtigere Rolle des Leasings in der Unternehmensfinanzierung an. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) stellt Leasing eine attraktive Alternative zur klassischen Kreditfinanzierung dar, was mitunter in der bilanzbefreienden und -optimierenden Wirkung von Leasinggeschäften begründet liegt. Beispielsweise gaben 45 Prozent der befragten europäischen KMUs im Rahmen einer repräsentativen Umfrage für den Zeitraum April bis September 2016 an, dass Leasing eine relevante bzw. in den vergangenen sechs Monaten sogar genutzte Refinanzierungsquelle für sie darstellt (vgl. European Central Bank (2016)). Analoge Erkenntnisse für den deutschen Leasingmarkt werden durch Analysen des Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (2016) bestätigt. Simultan mit der steigenden Relevanz des Leasings für KMUs erfordern zunehmende regulatorische Anforderungen adäquate interne Risikosteuerungssysteme. Eine Strukturierung des eigenen Portfolios unter Berücksichtigung geografischer Informationen kann hierbei neue Risikoquellen offenlegen und wesentliche Erkenntnisse über die regionale Struktur des Leasinggeschäfts liefern. Darüber hinaus können regionale Besonderheiten im Leasingportfolio Implikationen für den weiteren Abschluss von Leasingverträgen haben, etwa um zu starken regionalen Risikokonzentrationen entgegenzuwirken. Ferner bietet eine auf verschiedenen Aggregationsebenen durchgeführte regionale Analyse des Leasingbestands Unternehmen und Entscheidungsträgern einen in vielen Fällen leicht verständlichen Zugang zu verdichteten Informationen und Risikoquellen, was insbesondere unter praktischen Aspekten die Relevanz eines solchen Vorgehens unterstreicht.

Das dem Leasingportfolio einer Leasinggesellschaft inhärente Ausfallrisiko ist, wie auch im herkömmlichen Kreditgeschäft, die bedeutendste Risikoquelle (vgl. Helwig (2008)). Analog sind daher auch die wesentlichen Parameter zur Quantifizierung des Ausfallrisikos die Verlustquote bei Ausfall (Loss Given Default (LGD)) sowie die Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of Default (PD)) eines Leasingnehmers. Die Ausfallwahrscheinlichkeit stellt dabei ex ante die seitens der Leasinggesellschaft geschätzte Wahrscheinlichkeit für den vollständigen oder teilweisen Ausfall eines Leasingnehmers dar. Liegen ex post Daten über die tatsächliche Anzahl ausgefallener Leasingengagements sowie über die Gesamtgröße des Portfolios vor, können die tatsächlich realisierten Ausfallraten als Anteil der ausgefallenen Verträge an den gesamten Verträgen eines Portfolios berechnet werden. Die so berechneten Ausfallraten liefern präzise Informationen über die Güte der zuvor geschätzten Ausfallwahrscheinlichkeiten. Weitere essentielle Risiken bei Leasingengagements sind das Restwert- und das Objektrisiko, die unmittelbar die Verlustquote beeinflussen und in dieser Untersuchung bei deren Bestimmung ebenfalls Berücksichtigung finden. In diesem Beitrag werden die beiden Risikogrößen Verlustquote und Ausfallrate mit geografischen Daten verknüpft. Neben der Studie von Töws (2015) existieren unserer Kenntnis nach keine weiteren veröffentlichten Untersuchungen, in denen eine geografische Unterteilung des analysierten Leasingportfolios vorgenommen wird. Insbesondere die Verwendung von regionalen Ausfallraten für den deutschen Leasingmarkt ist unserer Wissens nach einmalig. Auf Basis eines proprietären Datensatzes werden neben einer allgemeinen Charakterisierung von Verlustquoten und Ausfallraten deutscher Leasinggeschäfte sowohl regionale Besonderheiten dieser beiden Risikoparameter als auch die regionale Verknüpfung zwischen LGD und Ausfallrate betrachtet. Ziel dieses Beitrags ist es, wesentliche Merkmale des Ausfallrisikos von Leasingkontrakten zu beschreiben und regionale Unterschiede bei der Verlustquote und der Ausfallrate im deutschen Leasingmarkt präzise herauszuarbeiten. 

Ferner analysieren wir regionale Konzentrationen besonders hoher Verlustquoten und Ausfallraten. Die Ergebnisse zeigen sowohl für die Verlustquote als auch für die Ausfallraten starke regionale Konzentrationen. Ferner sind Überschneidungen von Regionen mit sehr hohen Verlustquoten und solchen mit sehr hohen Ausfallraten äußerst gering. Die vorliegende Untersuchung ist hierzu wie folgt gegliedert: Der zweite Abschnitt definiert die wesentlichen Begrifflichkeiten und beschreibt den verwendeten Datensatz. Im dritten Abschnitt zeigen wir, dass der deutsche Leasingmarkt sowohl bei den Verlustquoten als auch bei den Ausfallraten starke regionale Risikokonzentrationen aufweist. Diese finden wir sowohl auf Ebene der Bundesländer als auch auf Kreisebene. Die Ausarbeitung schließt in Abschnitt IV mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und aus diesen abgeleiteten Handlungsempfehlungen für die Praxis.

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 01/2018. Die Ausgabe ist seit dem 01. Dezember 2017 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autoren:

Dr. Florian Kaposty, Institut für Kreditwesen
Dr. Matthias Löderbusch, Institut für Kreditwesen
Prof. Dr. Andreas Pfingsten, Direktor Institut für Kreditwesen
alle Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Artikelbild: ©hanohiki - iStockphoto.com