Steigende Zinsen bei Staatsanleihen erwartet

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19. Dezember 2018
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Carmen Daub

Die Weltwirtschaft befindet sich derzeit noch in einer guten Verfassung. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass das gesamtwirtschaftliche Expansionstempo nachlassen wird. In den USA weisen unter anderem das Auslaufen der Effekte der Steuerreform aus 2017 sowie der Handelsstreit mit China und der EU auf eine geringere Wachstumsdynamik hin. Diese dürfte dann auch auf den Rest der Welt ausstrahlen und zu einem Abflauen der Konjunktur führen.

Das konjunkturelle Bild für die USA sowie der moderate Inflationsdruck sprechen weiterhin für graduelle Zinserhöhungen durch die US-Notenbank. Allerdings wird die Geldpolitik datenabhängiger. Das bedeutet, dass bei einer konjunkturellen Enttäuschung der von der US-Notenbank prognostizierte Zinspfad jederzeit angepasst werden kann und geplante Zinserhöhungen ausgesetzt werden können. Ähnliches gilt für die EZB. Auch sie wird ihre extrem lockere Geldpolitik zurücknehmen, indem sie Ende 2018 ihre Nettoanleihekäufe einstellt. Die Leitzinsen bleiben aber bis mindestens über den Sommer 2019 auf ihrem aktuell niedrigen Niveau.

Ein solches Umfeld spricht grundsätzlich für moderat steigende Zinsen bei Staatsanleihen. Dies gilt besonders für Bundesanleihen, deren Renditen sich nach wie vor auf historisch niedrigen Niveaus befinden. Politische Spannungen können aber zeitweise zu einer Flucht in als sicher angesehene Kapitalanlagen wie Bundesanleihen führen. Eine solche Bewegung dürfte den zu erwartenden Anstieg der Renditen bremsen, aber nicht gänzlich unterbinden. Mit dem sicheren Hafen – das heißt Anleihen von Staaten aus der Eurozone mit sehr guter Bonität – dürfte 2019 keine nennenswert positive Performance zu erwirtschaften sein.

Nachlassendes Wirtschaftswachstum

Nachdem die Aktienmärkte viele Jahre vom konjunkturellen und geldpolitischen Rückenwind getragen wurden, haben sich in den letzten Monaten die Grundströmungen gedreht. Die Geldpolitik in den USA ist bereits restriktiver geworden, das Wirtschaftswachstum wird sich voraussichtlich abschwächen und die Unternehmen kämpfen vermehrt mit Kosteninflation, was wiederum die Gewinnmargen belastet. Aus diesem Grund ist der Kursrückgang am Aktienmarkt fundamental nicht ganz unbegründet. Auch die geopolitischen Spannungen, die schwelenden Handelskonflikte und der ungewisse Ausgang des Brexits haben zur Risikoaversion am Aktienmarkt beigetragen.

Die politischen Spannungen sowie die Wachstumsrisiken werden das Marktumfeld voraussichtlich auch im kommenden Jahr prägen und zu hohen Volatilitäten an den Kapitalmärkten führen. Dies erfordert eine umfangreiche und zeitintensive Analyse der Märkte und eine dynamische Steuerung der Investitionsquoten in den Portfolien. Für private Anleger ist eine Reaktion auf schnelle Marktveränderungen kaum zu leisten. Deshalb sollten sie auf die Expertise von erfahrenen Kapitalmarktexperten vertrauen und in einen aktiv gemanagten Multi-Asset-Fonds investieren.

Ein Marktkommentar von Carmen Daub, Fondsmanagerin bei der Gothaer Asset Management AG