Streitthema Banker-Boni

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29. Januar 2010
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Von Stefan Hirschmann

Über die Ausgestaltung der Vergütungen von Bankmitarbeitern, insbesondere im Investment Banking, gibt es weiterhin unterschiedliche Auffassungen. Eine Abschaffung der variablen Gehaltsanteile lässt sich nach Ansicht von Marktteilnehmern nicht durchsetzen und ist auch nicht das primäre Ziel von Aufsicht und Politik. Gleichwohl sind einschneidende Änderungen am System unumgänglich.

DÜSSELDORF, 28.1.2010. Über die Ausgestaltung der Vergütungen von Bankmitarbeitern, insbesondere im Investment Banking, gibt es weiterhin unterschiedliche Auffassungen. Eine Abschaffung der variablen Gehaltsanteile lässt sich nach Ansicht von Marktteilnehmern nicht durchsetzen und ist auch nicht das primäre Ziel von Aufsicht und Politik. Gleichwohl sind einschneidende Änderungen am System unumgänglich. Vor allem die Begrenzung von Bonus-Zahlungen scheint ein probates Mittel, um Boni-Exzesse der Vergangenheit zu vermeiden. ?Boni müssen langfristig angelegt sein?, sagt der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz. Misserfolge dürften nicht belohnt werden. Zahlungen von leistungsabhängigen Prämien müssten sich an Chancen und Risiken orientieren, so Schmitz vor Mitgliedern des International Bankers Forum (IBF) in Düsseldorf. "Banker-Bashing" sei derzeit eine weit verbreitete Beschäftigung, doch tue man der Vielzahl von tüchtigen Bankmitarbeitern Unrecht. "Bei 675.000 Beschäftigten im deutschen Kreditgewerbe erhält ja nicht jeder 500.000 EUR Jahresbonus", so Schmitz. Einige Unternehmen und Banken haben bereits Ende 2009 ihre Vergütungsstrukturen für Vorstände und leitende Mitarbeiter entsprechend umgestaltet und Bonus-Malus-Regelungen eingeführt. Die Selbstverpflichtungserklärungen folgten ? im Vorgriff auf erweiterte aufsichtsrechtliche Pflichten ? den auf G-20-Ebene vereinbarten Prinzipien für nachhaltige Vergütungssysteme und darauf aufbauenden konkreten Vorgaben des Financial Stability Board (FSB),

Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner hält sogar einen vorübergehenden Verzicht der Banken auf Boni oder Dividenden für sinnvoll. Dadurch könnten die Institute ihre Eigenkapitalbasis stärken. "Ein Verzicht auf die Ausschüttung von Boni und Dividenden wäre im Jahr nach der Krise richtig gewesen und wäre auch jetzt eine sinnvolle Maßnahme", so Achleitner. Allerdings sei ein solcher Schritt schwer durchzusetzen. "Hierauf müssten sich vor allem die großen amerikanischen Banken verständigen ? und das ist problematisch", sagt der Manager, der früher selber für die Investmentbank Goldman Sachs arbeitete. Schließlich stünden die betroffenen Banker im Wettbewerb zueinander. Da falle es schwer, mal eben den Schalter umzulegen. Die Vergütung ist eben ein wichtiges Instrument im Kampf um die besten Mitarbeiter.

Diese Argument freilich will Werner Böhnke, Vorstandschef der Westdeutschen Genossenschafts-Zentralbank (WGZ), nicht gelten lassen. Sofern eine Bank existenzielle Angst davor haben muss, dass ein komplettes Team zur Konkurrenz wechselt, stimme etwas im internen Risikomanagement nicht, so Böhnke. Kein Unternehmen sollte sich in allzu hohem Maße von den eigenen Mitarbeitern abhängig machen. "Dies ist eine Frage der Unternehmensführung", schärfte Böhnke den IBF-Mitgliedern ein. In der Tat sind die eigenen Mitarbeiter für viele Unternehmen operationelle Risiken. Dies hatte vergangenes Jahr auch die US-amerikanische Großbank Merrill Lynch & Co zu spüren bekommen. Doch die Amerikaner setzen sich wegen "Managerraub" gegen die Konkurrenz gerichtlich zur Wehr. Merrill verklagte den Konkurrenten wegen "Angriffs auf das Geschäft". Kern der beim New York State Supreme Court eingereichten Klage ist der Vorwurf, der Mitbewerber habe eine Gruppe von Investmentbankern, die jährlich Einnahmen im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich generiert hätten, "ungebührlich" weggelockt. Auch diesen Praktiken ließe sich durch maßvolle Vergütungs- und Anreizsysteme einen Riegel vorschieben.