TLAC: Banken können gelassen bleiben

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10. November 2015
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Von Paul J. Davies

Die große Überraschung bei den Regeln zur Total Loss Absorbing Capacity war, dass die vier größten chinesischen Banken langfristig keine Sonderstellung mehr eingeräumt bekommen. Insgesamt müssen die weltgrößten Geldhäuser Verlust absorbierendes Kapital in Höhe von 1,2 Bio. US-$ schaffen, um das Bankensystem vor der möglichen Pleite systemrelevanter Häuser zu schützen. Viele Banken können fast so fortfahren wie bisher. Falls sie allerdings gegen die neuen Regel verstoßen, können die Finanzaufseher ihre Dividendenzahlungen begrenzen.

Für internationale Großbanken lässt sich der Schrecken der neuesten Regulierungsverschärfung mit einer Summe beziffern: 1,2 Bio. US-$. Das ist der Betrag, für den die weltgrößten Geldhäuser Verlust absorbierendes Kapital schaffen müssen, um das Bankensystem vor der möglichen Pleite systemrelevanter Banken zu schützen. Allerdings: Viele Banken können dank rechtlicher Änderungen in Europa oder der anstehenden Ablösung vorrangiger Verbindlichkeiten fast so fortfahren wie bisher.

In diesem Fall dürfte es für die Aktionäre weitaus weniger gefährlich werden als befürchtet. Sollten die Banken jedoch eklatant gegen die neuen Regeln verstoßen, könnte es durchaus eng werden. Denn dann steht es den Finanzaufsehern frei, Dividendenzahlungen automatisch so lange zu begrenzen, bis die Regeln wieder eingehalten werden. Die große Überraschung bei den Regeln zur sogenannten Total Loss Absorbing Capacity war, dass die vier größten chinesischen Banken langfristig keine Sonderstellung mehr eingeräumt bekommen. Immerhin haben sie sechs Jahre mehr Zeit als Kreditgeber aus Industriestaaten, um die Auflagen zu erfüllen.

Mit den neuen Regeln soll erreicht werden, dass jede als systemrelevant eingestufte Großbank selbst Verluste aus bestehendem Eigen- und Fremdkapital deckt und decken kann. Damit soll die Gefahr minimiert werden, dass abermals der Steuerzahler bei einer Schieflage zur Kasse gebeten wird. Den Banken wird bis 2019 ein Kapitalpuffer von mindestens 16 Prozent ihrer abschreibungsfähigen risikogewichteten Aktiva und Fremdfinanzierung vorgeschrieben. Im Jahr 2022 wird diese Quote dann auf 18 Prozent angehoben. Chinas Banken haben jeweils bis 2025 und 2028 Zeit. Allerdings werden nicht alle Anleihen und alles Eigenkapital akzeptiert. Immerhin können die Geldhäuser in die Quote Instrumente wie bedingte Pflichtwandelanleihen (CoCo-Bonds) mit einrechnen. In den USA und Großbritannien lassen sich auch schon vorrangige Anleihen, die die Geldhäuser als Holdingunternehmen ausgegeben haben, geltend machen. Alles in allem müssen die europäischen und US-Banken bis 2019 wohl zusätzlich Anleihen im Wert von 280 Mrd. US-$ emittieren. Im Jahr 2022 sollte die Zahl noch bis auf 455 Mrd. US-$  klettern, so die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

Die vier chinesischen Kreditgeber trifft es besonders hart. Sie allein müssen bis 2025 rund 287 Mrd. US-$  auf den Kapitalmärkten einsammeln; bis 2028 sind es sogar 378 Mrd. US-$. Für die Europäer sind die Extrakosten überschaubar. Sie machen lediglich etwas mehr als 2 Prozent der für 2017 prognostizierten Gewinne aus, schätzen Analysten der Citigroup. Letztlich kann nichts und niemand garantieren, dass der Staat niemals wieder eine Bank wird retten müssen. Aber diese Regeln reduzieren die Wahrscheinlichkeit dafür dramatisch - und das zu einem geringen Preis. Das kann eigentlich nicht schlecht sein. (DJN)

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