Totalverlustabsorptionsfähigkeit – dieses Wort sollten Sie sich merken!

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16. November 2015
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Von Stefan Hirschmann

Der Finanzstabilitätsrat FSB hat seinen finalen Vorschlag zum TLAC-Standard (Total Loss Absorbing Capacity – Totalverlustabsorptionsfähigkeit) veröffentlicht, an dem die deutsche Finanzaufsicht BaFin maßgeblich mitgewirkt hat. TLAC setzt sich aus den Mindestkapitalanforderungen nach Basel III und zusätzlichem Gone-Concern-Verlustabsorbtionskapital zusammen.

Der Finanzstabilitätsrat FSB hat seinen finalen Vorschlag zum TLAC-Standard (Total Loss Absorbing Capacity – Totalverlustabsorptionsfähigkeit) veröffentlicht, an dem die deutsche Finanzaufsicht BaFin maßgeblich mitgewirkt hat. TLAC setzt sich aus den Mindestkapitalanforderungen nach Basel III und zusätzlichem Gone-Concern-Verlustabsorbtionskapital zusammen. Dies soll sicherstellen, dass Banken im Abwicklungsfall genügend geeignete Verbindlichkeiten zur Verfügung stehen, die sofort in Eigenkapital umgewandelt werden können. Zudem veröffentlichte das FSB die Ergebnisse der Auswirkungsstudien, die unter der Federführung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht BCBS, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und des FSBs durchgeführt wurden. Zeitgleich stellte der BCBS außerdem einen Vorschlag zur aufsichtlichen Behandlung von Investitionen in TLAC-fähige Kapitalinstrumente durch Banken zur Konsultation.

Nach dem Vorschlag des FSB müssen global systemrelevante Banken – in Deutschland betrifft das derzeit nur die Deutsche Bank – ab dem 1. Januar 2019 TLAC mindestens in Höhe von 16 Prozent der risikogewichteten Aktiva und 6 Prozent der Verschuldungsquote nach Basel III (Leverage Ratio) vorhalten. Die national zuständigen Behörden können für einzelne Banken höhere Anforderungen festlegen. Ab dem 1. Januar 2022 sollen die Mindestanforderungen dann auf 18 Prozent der risikogewichteten Aktiva und 6,75 Prozent der Leverage Ratio steigen. Anrechnungsfähig für TLAC sind alle Instrumente des Basel-III-Mindestkapitals, also Common Equity Tier 1 (CET 1), Additional Tier 1 (AT 1) und Tier 2, sowie Verbindlichkeiten, die bestimmte Eigenschaften erfüllen, etwa dass sie nachrangig sind, eine Mindestrestlaufzeit von einem Jahr haben und keine Derivate sind. Diese Verbindlichkeiten eignen sich für das Abwicklungsinstrument der Gläubigerbeteiligung (Bail-In).

Nach der erfolgten Zustimmung durch die G 20 müssen die Mitgliedstaaten des FSB den TLAC-Standard umsetzen. In der EU ist eine Gesetzgebung zu erwarten, die auch das Verhältnis zu beziehungsweise das Zusammenspiel mit den Mindestanforderungen an anrechenbare Verbindlichkeiten (Minimum Requirement of Eligible Liabilities – MREL) klärt, die die Sanierungs- und Abwicklungsrichtlinie vorschreibt.

TLAC sei ein zentraler Baustein, um das Problem des "too big to fail" zu lösen, kommentiert Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, die Ergebnisse des G20-Gipfels zur Finanzmarktregulierung. „Große Banken müssen damit zukünftig so finanziert sein, dass sie ohne Einspringen des Staates und damit des Steuerzahlers abgewickelt werden können. Dies ist das erklärte Ziel von Politik und Banken“, so Kemmer. Die Verabschiedung der TLAC-Regeln sei sachgerecht und ambitioniert, so Kemmer. Insgesamt würden die neuen Regeln voraussichtlich einen höheren dreistelligen Milliardenbetrag an verlusttragendem Kapital für die globalen Banken erfordern. Nach der Verabschiedung des TLAC-Standards wird es jetzt darauf ankommen, die neuen Regeln konsistent in der Europäischen Union umzusetzen.

 

Textquelle: BaFin-Journal  11/2015, Bankenverband.

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