Trump will US-Banken stärken

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27. April 2017
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Von Michael Rapoport und Telis Demos

Steuersenkungen können erst einmal richtig wehtun. Von diesem kuriosen Umstand sind einige US-Großbanken betroffen, darunter Citigroup und Bank of America. Allmählich dürften dann aber die Gewinne durch die Steuerreform einen kräftigen Schub erhalten, der die Finanzkonzerne für die Anfangsbelastungen mehr als entschädigt. Eine Absenkung des Körperschaftssteuersatzes von derzeit 35 auf nur noch 15 Prozent, wie es das Weiße Haus vorsieht, würde die Steuerlasten für die US-Konzerne deutlich verringern und ihre Gewinne noch reichlicher als bisher sprudeln lassen. Doch für Banken wie die Citigroup und Bank of America muss dabei zunächst eine bittere Pille geschluckt werden. Ein niedrigerer Steuersatz würde fürs Erste zu milliardenhohen Belastungen führen, da der Wert von sich gigantisch auftürmenden Steuerguthaben abgeschrieben werden muss.

Diese Guthaben bestehen aus Steuerkrediten oder Abzügen, die typischerweise mit großen Verlusten einhergehen, wie sie die Banken in der Finanzkrise erlebten. Im Kern handelt es sich um Forderungen der Banken, die sie in der Zukunft mit anfallenden Steuern verrechnen lassen können. Wenn jetzt aber diese künftigen Steuerforderungen des Fiskus durch eine Reduzierung des Steuersatzes geschmälert werden, verlieren auch die auflaufenden Steuerguthaben an Wert. Dieser Bilanzierungseffekt führt dazu, dass etwa die Citigroup zwischen 6 und 12 Mrd. US-Dollar auf den Wert der Steuerguthaben abschreiben muss. Das ergibt sich aus Zahlen des Geldhauses und Analystenberechnungen, die stark schwanken, je nachdem wie die Steuerreform letztlich ausgestaltet wird. Bei der Bank of America könnte dieser Effekt mit 4 Mrd. Dollar ins Kontor schlagen.

Diese gesamte Rechnerei läuft allerdings auf einen Einmaleffekt hinaus. Letztlich würden die Banken – ganz nach dem Geschmack von US-Präsident Donald Trump – deutlich mehr Geld verdienen, erläutert Analyst John McDonald von Sanford C. Bernstein. Der Markt schaue auf die Gewinne und diese würden sich auf Dauer verbessern. Im Endeffekt könnten die Banken ihren Schaden in ein oder maximal zwei Jahren mehr als wettgemacht haben. Insofern ermuntert Michelle Hanlon, MIT-Professorin für Rechnungslegung, die Banken dazu, sich auf diesen Tradeoff einzulassen. Allerdings ist die Materie dermaßen komplex, dass viel Zeit ins Land ziehen dürfte, bis die Geldhäuser überhaupt ausgerechnet haben, wie viel sie abschreiben müssen. Bei der Citigroup beispielsweise fallen zudem viele Abzüge und Steuerkredite auf Ebene der Bundesstaaten oder im Ausland an, die von den Änderungen in Washington überhaupt nicht berührt werden.

Artikelbild: ©BrianAJackson / iStockphoto