Sorge um die Kronjuwelen der Bankenfinanzierung

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25. Oktober 2018
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Von Rachel Louise Ensign

Für Banken zirkuliert derzeit weniger Geld im Wirtschaftskreislauf als früher. Nach fast drei Jahren der Leitzinserhöhungen nehmen Bankkunden Gelder in Milliardenhöhe aus zinslosen Einlagen und stecken es in höher verzinste Alternativen. Das wird es den Banken erschweren, ihr Gewinnwachstum aufrecht zu erhalten. Die vier größten US-Banken – JP Morgan, Bank of America, Wells Fargo und Citigroup – berichteten im dritten Quartal zusammengenommen über einen Rückgang der US-Einlagen ohne Verzinsung um 5 Prozent zum Vorjahr. So zogen die Kunden dieses Jahr bis Ende Juni Finanzmittel in Höhe von 30 Mrd. US-Dollar von zinsfreien Konten ab, ergibt sich aus Daten der US-Einlagensicherungsbehörde FDIC. Es ist der erste Rückgang in einem ganzen Jahr seit einem Jahrzehnt.

 

 

Diese Mittel waren zum Großteil als Sichteinlagen von Unternehmen und Verbrauchern angelegt worden. Sie gelten für die Branche als sehr lukrativ, da die Geldhäuser diese kostenfreien Einlagen für die Kreditvergabe gut nutzen können. Mit kletternden Kurzfristzinsen werden sie nur umso gewinnträchtiger. Als die US-Notenbank Fed ab Dezember 2015 in den aktuellen Zinserhöhungszyklus einstieg, konnten die Banken ihre Gewinne stark vorantreiben, indem sie mehr für Kredite verlangten und viele Einlagenkunden zinsfrei abspeisten. Doch jetzt schichten die Kunden auf Bankprodukte mit Zinsen um.

Zinslose Einlagen seien die Kronjuwelen der Bankenfinanzierung, erläutert Allen Tischler von Moody's. Sobald dieses Geschäft verloren gehe, könnten die Geldhäuser nicht mehr so recht von weiteren Zinssteigerungen profitieren. Vor der Finanzkrise machten die zinslosen Einlagen einen viel kleineren Anteil der bei Banken angelegten Gelder aus. Im Jahr 2007 hatte die Fed die Zinsen drastisch gekappt, um der ausufernden Wirtschaftsprobleme Herrin zu werden. Die Notenbank zurrte sie fast sieben Jahre lang bei nahe null fest. Das hatte es vorher noch nie gegeben.

Für viele Einzelkunden waren die Zinsen auf dem Geldmarkt und auf Spareinlagen branchenweit äußerst niedrig. Von daher beließen sie ihr Kapital gleich bei den Sichteinlagen, auch wenn die Banken diese so gut wie nicht verzinsten.

 

Unternehmen dringen auf höhere Zinsen

Zinslose Depositen wurden auch für viele Firmenkunden attraktiv, da die Regierung in Zeiten der Krise diesen praktisch eine unbegrenzte Versicherung einräumte. Ein anderer Anreiz für die Firmenkunden: Sie können oft Boni einheimsen und damit Gebühren abdecken, die für andere Bankleistungen anfallen, sofern sie sich auf zinslose Sichteinlagen einlassen. Mit dermaßen niedrigen Zinsen sind die Boni oft mehr Wert, als was die Firmen mit einem bezinsten Konto verdient hätten. Derzeit machen vor allem Unternehmen Druck für bessere Konditionen. Sie können wegen der hohen Anlagesummen von einer höheren Verzinsung besonders profitieren. 

Kreditgeber wie die Bank of America, JP Morgan und die Regionalbank PNC berichteten zuletzt allesamt darüber, dass im dritten Quartal Kunden aus zinslosen Einlagen ausstiegen. Bei der Bank of America etwa gingen die zinslosen Einlagen im dritten Quartal um 11 Prozent nach unten. (DJN) 

 

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