Unnötige Verluste aus operationellen Risiken kosten Banken Milliarden

ERM
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06. September 2018
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Redaktion RISIKO MANAGER

Ein einziger Mitarbeiter hat 1995 den Untergang der traditionsreichen Barings Bank besiegelt. Der Derivatehändler Nick Leeson hatte Lücken in den internen Kontrollsystemen genutzt und vergeblich versucht, Verluste durch immer waghalsigere Spekulationen zu kompensieren. Immerhin: Dieser Weckruf für die Branche hat viel dazu beigetragen, das Management nicht-finanzieller Risiken deutlich zu verbessern. Doch auch heute gibt es noch viele Schwachstellen.

Basierend auf Daten des Risikospezialisten ORX summieren sich die Verluste großer Banken aufgrund von operationellen Risiken seit 2011auf rund 220 Mrd. US-Dollar. Rund zwei Drittel davon resultieren aus dem falschen Umgang mit Kunden und Produkten.

„Nicht-finanzielle Risiken lauern nahezu überall, entsprechend viel steht für die Banken auf dem Spiel“, stellt Jan-Alexander Huber fest. Er ist Co-Autor der aktuellen Bain-Studie „Preventing Disaster: How Banks Can Manage Operational Risk“. Neben finanziellen Verlusten verursachten Fehler im operationellen Risikomanagement Rechtskosten, Strafzahlungen und Reputationsschäden und gefährdeten im Extremfall sogar die Existenz einer Bank, fährt Huber fort. 

Zwar arbeiten die Banken hat daran, ihr Risikomanagement zu verbessern, legen dabei aber meist den Fokus auf eine bessere Steuerung der Finanzrisiken. Dabei kosten die Verluste aus nicht-finanziellen Risiken große Banken immer noch knapp ein Prozent ihres Bruttoeinkommens. 

Ertragspotenziale werden nicht genutzt

Mit einer Musterrechnung zeigt Bain das hier brachliegende Ertragspotenzial auf. Ausgehend vom Durchschnittswert der letzten drei Jahre könnten die Banken mit einer 20-prozentigen Reduzierung ihrer Verluste aus nicht-finanziellen Risiken ihre Gewinnmarge um 30 Basispunkte steigern. Das wäre ein willkommener Zuwachs für die gebeutelten europäischen Institute. 

Für ein effektiveres Risikomanagement seien vier Prinzipien entscheidend:

  • – das Management nicht-finanzieller Risiken umfasst alle Bereiche und Funktionen einer Bank und ist reibungslos in die unternehmensweiten Strukturen und Prozesse integriert,
  • – die Verantwortung für das Risikomanagement ist in jeder Abteilung klar definiert und mit Fachleuten besetzt, 
  • – Feedbackschleifen gewährleisten, dass die Bank kontinuierlich aus Erfolgen und Misserfolgen lernt, um nicht-finanzielle Risiken in Zukunft zu vermeiden, und
  • – alle Prozesse werden regelmäßig überprüft, um sicherzustellen, dass sämtliche Kennzahlen und Vergütungssysteme den aktuellen Anforderungen entsprechen.

Für Co-Autor Sebastian Fritz-Morgenthal sind Fort- und Ausbildung der Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg. „Jeder Einzelne muss lernen zu antizipieren, welche Fehler auftreten können und wie sie sich vermeiden lassen.“ Das gelte insbesondere für Innovationen. Eine europäische Großbank integriere konsequenterweise schon auf ihrem Innovationscampus operationelle Risikomanager in die agilen Entwicklerteams. 

Technische Lösungen erleichtern die Arbeit von Risikomanagern

Viele Banken lassen sich auch beim Risikomanagement bereits von technischen Lösungen unterstützen. Insbesondere Datenanalysen und maschinelle Lernverfahren erleichtern es, Schwachstellen automatisiert aufzuspüren. Somit müssen die Risikomanager nicht mehr länger mit großem Zeitaufwand kleinteilige Prozesse prüfen, sondern können sich auf die Vorbeugung großer Risiken konzentrieren. 

Für Bankenexperte Fritz-Morgenthal zählen technische Lösungen – neben einer regelbasierten Risikokultur und kontinuierlichen Schulungen – zu den Kernelementen eines erfolgreichen Managements nicht-finanzieller Risiken: „Mit einem integrierten Ansatz können Banken ihre Profitabilität erhöhen und – noch wichtiger – eventuell existenzbedrohende Risiken frühzeitig erkennen und abwenden.“

 

 

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