US-Banken starten mit Risiko in die Berichtssaison

ERM
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14. Januar 2019
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Von Aaron Back

Für die großen US-Banken ist die Stimmung der Anleger inzwischen negativ. Nur ein mutiger Investor würde darauf wetten, dass die Institute in der bevorstehenden Berichtssaison für einen Stimmungswechsel sorgen werden. Der KBW Nasdaq Bank Index sank in den vergangenen zwölf Monaten um 17 Prozent, verglichen mit einem Rückgang des S&P 500 um 5,5 Prozent, obwohl die Gewinne der Banken insgesamt gesund waren. Die Anleger schätzen, dass sich die US-Wirtschaft an der "Spitze des Zyklus" befindet und ein Abschwung bevorstehen könnte. Das würde die Banken auf vielfältige Weise treffen, über geringere Kreditvergabe bis hin zu höheren Ausfällen.

Somit werden die Investoren nach Anzeichen von Problemen suchen, wenn die größten US-Banken ihre Berichte vorlegen. Eröffnet wird der Reigen am heutigen Montag von der Citigroup, gefolgt von JP Morgan Chase, Wells Fargo, Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley in den Tagen darauf.

Vorerst bleibt ein konjunktureller Abschwung hypothetisch, sodass das traditionelle Kreditgeschäft der Banken kaum schwächeln dürfte. Tatsächlich hat sich die Kreditvergabe in den letzten Wochen des Jahres 2018 nach Angaben der US-Notenbank beschleunigt, und die Ausfälle bei Verbraucher- und Unternehmenskrediten sind im historischen Vergleich sehr gering. Bei Banken mit großem Investment- und Handelsgeschäft werden die Marktturbulenzen im vierten Quartal jedoch Spuren hinterlassen haben. Noch ist unklar, ob die jüngsten großen Kursschwankungen bei Aktien und Anleihen die "gute Volatilität" waren, die die Handelsumsätze für Banken erhöht, oder eher die "schlechte", die sie drückt, da die Kunden sich zurückhalten. Sicherlich besteht ein erhebliches Risiko, dass es einige Banken auf dem falschen Fuß erwischt hat.

Ein Bereich, in dem die Kunden sich eindeutig zurückhielten, war das Übernahmegeschäft. Das Aktien- und Anleihengeschäft sank nach Schätzungen der Credit Suisse gegenüber dem Vorjahr um 42 bzw. 22 Prozent. Die Gebühren für Fusionen und Übernahmen dürften indes gestiegen sein, da einige Deals im vierten Quartal abgeschlossen wurden, aber das Volumen angekündigter Transaktion sank im vierten Quartal um 19 Prozent. Somit dürften die Beratungsgebühren in naher Zukunft sinken.

Dennoch sind die Schätzungen für die Gewinne der Banken nur unwesentlich reduziert worden, mit Ausnahme von Goldman Sachs. Hier rechnen Analysten mit einer Belastung im Zusammenhang mit der Beteiligung der Bank am 1MDB-Skandal in Malaysia. Für die anderen fünf großen Banken sind die Schätzungen für das Ergebnis je Aktie im vierten Quartal laut Factset seit Ende September um durchschnittlich 4,4 Prozent gesunken und damit in geringerem Ausmaß als jene für den gesamten S&P 500. Insgesamt gehen die Bankaktien aus einer schwierigen Position heraus in die kommende Berichtssaison. Positive Überraschungen könnten von den Anlegern als irrelevant abgetan werden, da sie sich um die künftige wirtschaftliche Entwicklung sorgen. Andererseits könnten negative Überraschungen als Bestätigung dafür angesehen werden, dass die Dinge in die falsche Richtung gehen. Die Erwartungen an die Banken sind gesunken, aber sie sind vielleicht nicht niedrig genug. (DJN) 

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