Von der demographischen Entwicklung profitieren

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24. Juli 2018
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Von Marc Homsy

„Alle wollen länger leben, aber niemand möchte alt werden.“ So lautet ein Zitat des 1706 geborenen und 1790 gestorbenen US-amerikanischen Schriftstellers, Wissenschaftlers und Staatsmanns Benjamin Franklin. Könnten wir Benjamin Franklin eine Grußbotschaft in die Vergangenheit schicken, würde sie sowohl gute als auch schlechte Nachrichten beinhalten. Eine gute Nachricht ist, dass wir heute wesentlich länger leben als zu Franklins Zeiten. Die durchschnittliche Lebensdauer hat sich seit damals ungefähr verdoppelt. Eine schlechte Nachricht ist dagegen, dass wir immer noch alt und gebrechlich werden und Bedarf an Pflege und der Behandlung unserer Gebrechen und Krankheiten haben.

Längere Lebenszeiten sind ein sogenannter Megatrend. Seine ökonomischen Auswirkungen werden – in Analogie zu ergrauten Haaren – unter den Begriff „Silver Economy“ (silberne Wirtschaft) zusammengefasst. Dahinter steckt ein konjunktureller Wachstumsbereich mit erheblichem Potenzial. Daher lohnt es sich, ihn auch bei Entscheidungen der Kapitalanlage ins Auge zu fassen.

Offiziellen Statistiken zufolge gab es 2017 weltweit 962 Millionen Menschen, die mindestens 60 Jahre alt waren. Diese Zahl dürfte bis 2050 auf 2,1 Milliarden und bis 2100 auf 3,1 Milliarden Menschen steigen. Die Altersgruppe der über 60-Jährigen wächst damit schneller als alle jüngeren Altersgruppen – und sie besitzt einen großen Konsumbedarf, der gedeckt werden muss. Für Anleger eröffnet dies interessante Möglichkeiten.

Die Silver Economy lässt sich in mehrere Unterthemen aufteilen. Erstens meint der Begriff alles, was Freude bereitet, wenn wir unseren Ruhestand genießen wollen. Vergnügungen, für die wir mehr Zeit haben, wenn wir zu arbeiten aufgehört haben, aber körperlich immer noch leistungsfähig und belastbar sind. Dazu zählt Unterhaltung, beispielsweise in Form von Restaurantbesuchen, Kultur, Freizeitaktivitäten und Reisen – vielleicht sogar gemeinsam mit Kindern und Enkeln. 

Darüber hinaus umfasst Silver Economy auch die kontinuierliche Instandhaltung von uns selbst. Wir alle möchten gern an unserer Jugendlichkeit festhalten und das Alter so lange wie möglich hinauszögern. Wir machen Sport, ernähren uns gesund und versuchen vielleicht sogar, den altersbedingten Verschleiß unseres Körpers durch Schönheitsoperationen zu kompensieren.

Der Kampf gegen das Unabwendbare

Doch egal, wie sehr wir dagegen ankämpfen: Wir können dem Unabwendbaren nicht entkommen. Die Zeit nagt an unserem Körper, der wie ein altes Auto kontinuierliche Pflege und gelegentlich auch neue Ersatzteile benötigt, um in Bewegung zu bleiben. Zum Beispiel in Form von Brillen und Hörgeräten oder Knie- und Hüftoperationen, die gern in Privatkliniken vorgenommen werden. 

Dazu kommt der Arzneimittelbedarf, der im Alter stetig steigt. Der Bank of America zufolge haben 80 Prozent der Senioren eine chronische Krankheit, und sie stehen für 75 Prozent des Verbrauchs im Gesundheitssektor. Mit dem Alter steigt auch der Bedarf an Wohnungen, die zu den veränderten Ansprüchen in Bezug auf Größe, Einrichtung, Sicherheit und Komfort sowie zum Bedarf an digitalen und physischen Hilfsmitteln passen müssen.

Wenn das Älterwerden teuer und mühsam klingt, ist da etwas Wahres dran. An der Schwelle zum Ruhestand zu stehen und dann nicht genügend Geld zu haben, um seine Träume und Bedürfnisse zu erfüllen, ist ein trauriger Umstand, der nur durch rechtzeitige Vorsorge vermieden werden kann. Ein weiterer Aspekt der Silver Economy ist deshalb auch die steigende Nachfrage nach Geldanlagen und Vermögensverwaltung, die den Wunsch nach einem langen und finanziell unbeschwerten Leben unterstützen. 

Die Silver Economy beeinflusst somit die künftige Konjunkturentwicklung in vielen verschiedenen Branchen und ist deutlich mehr als Zukunftsmusik. Sie ist ein Megatrend, der sich schon seit langem in Bewegung gesetzt hat – und dessen Bedeutung auch bei der Kapitalanlage stetig steigt.

Kommentator: 
Marc Homsy, Leiter Anlagenvertrieb Deutschland bei Danske Invest.