Wachstum und Risiko: Geldpolitik könnte zu Überhitzung führen

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14. Dezember 2017
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Redaktion RISIKO MANAGER

Die Wirtschaft wächst so stark wie seit Jahren nicht mehr, in Deutschland hat sich die konjunkturelle Dynamik im ablaufenden Jahr weiter verstärkt. Die Analysten von Allianz Research gehen für den Jahresdurchschnitt von einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 2,3 Prozent aus. Im kommenden Jahr soll es sogar noch besser weitergehen: „Angesichts außergewöhnlich guter Unternehmensumfragen, deutlich steigender Auftragseingänge in der Industrie und hoher Beschäftigungszuwächse sind die Aussichten für eine Fortsetzung des kräftigen Aufschwungs 2018 trotz aller politischen Unsicherheiten günstig. Für 2018 prognostizieren wir für Deutschland 2,4 Prozent Wirtschaftswachstum“, sagte Chefvolkswirt Michael Heise.

Der Aufschwung ist breit angelegt. Der reale private Verbrauch wird 2017 mit 2,1 Prozent erneut recht kräftig und auf Vorjahresniveau zunehmen. Für 2018 rechnen die Volkswirte zwar mit einem leicht verringerten Einkommenszuwachs und einer Abschwächung des privaten Verbrauchs, er wird aber mit einer soliden Wachstumsrate von 1,5 Prozent zum Auf-schwung beitragen. Die Bauwirtschaft bleibt in der Hochkonjunktur mit realen Zuwachsraten in einer Größenordnung von 4 Prozent. Positiv gewertet wird die Beschleunigung der lange Zeit schwachen Investitionstätigkeit. Die Ausrüstungsinvestitionen dürften vor dem Hintergrund der überdurchschnittlichen Kapazitätsauslastung und eines zunehmenden Umfangs von Erweiterungsinvestitionen in diesem Jahr um 4,5 Prozent und 2018 um rund 6 Prozent deutlich zulegen. 

Insgesamt profitiert die deutsche Konjunktur vom wieder stärkeren globalen Wirtschaftswachstum. Der Welthandel wächst nach zwei enttäuschenden Jahren nun wieder deutlich und auch die Kreditnachfrage belebt sich: In Asien wachsen die Schulden kräftig, in den USA steigen die Verschuldungsquoten im Unternehmenssektor seit 2014 wieder an. Im Euroraum ist ebenfalls eine allmähliche Belebung der Kreditnachfrage festzustellen. 

Insgesamt rechnet die Allianz 2017 und 2018 mit einem Weltwirtschaftswachstum von 3,2 Prozent (2016: 2,5 Prozent). Für die Weltwirtschaft ist dies das stärkste Wachstum seit 2011. Positiv sei insbesondere der hohen Grad an Synchronisation, da sich auch in den Emerging Markets die Konjunkturdynamik wieder verstärkt hat. 

Es gibt aber auch Risiken für die Weltwirtschaft. Die exogenen Risiken liegen vor allem in der Unsicherheit über die US-Politik. Hinzu kommen die Risiken durch geopolitischen Spannungen im mittleren Osten, der Umbruch in Saudi Arabien und der Konflikt mit dem Iran sowie die Entwicklungen in Nordkorea. Endogene Risiken sind mit einer zu langen und zu expansiven Geld- und Fiskalpolitik verbunden, die zu einer Überhitzung der Konjunktur mit anschließender Abschwächung führen kann. Zudem besteht das Risiko einer Kreditblase in China, die weitere restriktive Maßnahmen der Geld- und Bankenpolitik nach sich ziehen könnte. 

 

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