Wie die Lösung der italienischen Bankenkrise Europa hilft

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10. Juli 2017
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Von Paul J. Davies

Die italienischen Banken sind aus der Notaufnahme entlassen worden. Zwar liegt noch eine lange Rekonvaleszenz vor ihnen, doch es ist eine gute Nachricht für die Erholung Europas als Ganzes. Der laufende Heilungsprozess Italiens schafft Raum für eine neue Kreditvergabe, und das kann das Wirtschaftswachstum antreiben. Das größte Sorgenkind, die Monte dei Paschi di Siena, hatte mit Brüssel und Rom eine Grundsatzeinigung zu ihrer Rekapitalisierung erreicht. Die EU erlaubte im Anschluss eine Staatshilfe im Umfang von 5,4 Mrd. Euro nach dem Beihilferecht. Ein weiteres Probleminstitut, die deutlich kleinere Banca Carige, verschafft sich frisches Geld durch eine Kapitalerhöhung und den Verkauf von notleidenden Krediten. Der Aktienkurs von Banca Carige reagierte auf die Nachricht mit einem Kurssprung von 30 Prozent.

Diese beiden Lösungskonzepte kamen, kurz nachdem sich die Intesa Sanpaolo mit staatlicher Unterstützung an der Rettung zweier Krisenbanken in Norditalien beteiligt. Intesa wird Unternehmensteile der Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza übernehmen, die Krise in Norditalien hatte das Finanzsystem überschattet. Die italienischen Bankaktien haben seit Mitte Juni deutlich gewonnen und die europäischen Konkurrenten hinter sich gelassen. Im Zuge der Rettungsaktionen wird das italienische Bankwesen wohl Problemkredite von rund 50 Mrd. Euro los. Damit verbleiben noch notleidende Kredite von 275 Mrd. Euro im System. Die Unicredit, die sich ebenfalls in der Restrukturierung befindet, hat gelobt, 18 Mrd. Euro an Problemdarlehen abzustoßen. Bei der Intesa Sanpaolo liegen noch faule Kredite im Umfang von 57 Mrd. Euro in den Büchern. Als gesündeste Bank Italiens wird das Institut das gut händeln können. Die Probleme Italiens fangen an, nun weniger dramatisch auszusehen. Ja, das Land hätte sich früher mit seinen schwachen Banken beschäftigen können, wäre der politische Willen vorhanden gewesen. Aber nun hat das Land seine schlimmsten Probleme bei direkten Cash-Kosten für den Steuerzahler von weniger als 1 Prozent des BIP in den Griff bekommen - und das liegt deutlich unter den Kosten, die Spanien oder Irland vor einigen Jahren aufwenden mussten.

Zudem hat sich das Tempo, in dem die Kredite notleidend werden, in Italien abgeschwächt. Die neuen Problemkredite der 15 größten Banken des Landes hatten 2016 den niedrigsten Stand seit der Zeit vor 2009, geht aus den Daten der Ratingagentur DBRS hervor. Nun haben die Banken auch wieder die Kapazität, Gelder zu verleihen, denn sie sind im ersten Quartal wie die Wettbewerber aus Deutschland und Frankreich wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Das Wachstum in den drei Ländern hat in der Eurozone als Ganzes zu einem Gezeitenwechsel geführt. Die gesamten Kredite der Eurozone sind im ersten Quartal 2016 annualisiert um 11,6 Prozent gesunken und im Schlussquartal um 3,8 Prozent geschrumpft, dann aber im ersten Quartal 2017 um 1,4 Prozent gewachsen. Und Italien, wo die Sorge um die europäische Instabilität lange ihren Ursprung hatte, könnte schließlich die Erholung des Kontinents mittragen. (DJN)

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