Zentrale Datenhaltung als Grundlage für ein effizientes Risikomanagement

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29. März 2017
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Christian Rump, Silvio Andrae, Ralf Backé, Andreas Hümmerich

Neben der Besicherungspflicht von ungeclearten OTC-Derivaten nach EMIR verändern sich auch die Methoden zur Berechnung der Eigenmittelunterlegung des Gegenparteiausfallrisikos. So ist ein neuer Standardansatz (SA-CRR) in der Diskussion. Dieser soll die Marktbewertungsmethode und die bisherige Standardmethode ablösen. Beide Regelwerke haben erhebliche Auswirkungen auf die technische Abbildung der Besicherungsvereinbarungen sowie auf die Datenverfügbarkeit in der Gesamtbank. Mit der neuen Methodik werden detailliertere Informationen zu Geschäfts-, Vertrags- und Kontrahentendaten nicht nur im Collateral Management, sondern auch im Meldewesen der Bank benötigt. Die dabei erforderlichen Informationen gehen über das bisherige Maß an Information hinaus.

Einführung
Die Beurteilung des Gegenparteiausfallrisikos für Derivate-Geschäfte hängt vom Charakter der Transaktionen (bilaterale vs. zentrale Abwicklung), der Besicherung und den Schwankungen der Marktrisikofaktoren wie Preisen, Volatilitäten und Korrelationen ab. Aber auch vorhandene Aufrechnungsvereinbarungen und Nebenabreden können dieses Risiko beeinflussen. Mit der EMIR-Derivateverordnung wurde die Besicherungspflicht für alle neuabgeschlossenen ungeclearten OTC-Derivate eingeführt. Hierzu wird zwischen der Besicherung des Marktwerts (Variation Margin, VM) und einer über den Marktwert hinausgehenden Besicherung (Initial Margin, IM) unterschieden (vgl. Risiko Manager Nr. 1/2017). Die Anwendung der VM gilt für die meisten Kontrahenten bereits ab dem 1. März 2017. Die IM wird erst zu einem späteren Zeitraum gefordert.

Drei Jahre nach der europäischen Kapitalverordnung und -richtlinie (CRR/CRD IV) steht eine Überarbeitung an. Ein Vorschlag hierzu wurde bereits im November 2016 veröffentlicht. Die Finalisierung wird sich voraussichtlich bis in das Jahr 2018 hinein erstrecken, sodass mit einem Inkrafttreten vor 2019 nicht zu rechnen ist. Das Reformpaket enthält höchst unterschiedliche Regulierungsinitiativen. Der Großteil dient der Umsetzung internationaler Aufsichtsstandards in EU-Recht. Dazu gehört u. a. auch eine neue Standardmethode zur Bemessung der Gegenparteiausfallrisiken (SA-CCR). Für kleine Institute sind Vereinfachungen vorgesehen (Proportionalität). Die SA-CCR wird vermutlich zum Marktstandard für die meisten Banken avancieren.

Beiden Regelwerken ist gemeinsam, dass sie für die Berechnungen eine Vielzahl an Daten benötigen, die bisher in unterschiedlichen Quellsystemen abgelegt sind. Der Beitrag erläutert anhand der verschiedenen regulatorischen Anforderungen, welche Informationen mitunter notwendig sind, um die Berechnungen effizient und konsistent durchzuführen. Dabei wird weniger auf das Formelwerk im Detail abgestellt. Im Vordergrund stehen die Daten, die im Zusammenhang mit der Besicherung von OTC-Transaktionen benötigt werden, sowie bekannte Probleme bei der Datenbereitstellung und -zusammenführung. Der Beitrag präsentiert einen Lösungsansatz zur strukturierten Datenverarbeitung von Geschäfts-, Vertrags- und Kontrahentendaten.

Besicherung im Rahmen der SA-CCR
Die neue Standardmethode zur Berechnung des Forderungswerts für das Gegenparteiausfallrisiko (SA-CCR) basiert im Wesentlichen auf den bekannten Prinzipien der Marktbewertungs- beziehungsweise Standardmethode. Auslöser für die Überarbeitung sind Unzulänglichkeiten der bisherigen Verfahren. So werden etwa in der bisher gültigen Marktbewertungsmethode Hedging- und Diversifizierungsvorteile je Netting-Set stark vereinfacht. Außerdem wird nicht zwischen besicherten und nicht-besicherten Transaktionen unterschieden. Zudem erfasst der aufsichtsrechtlich vorgegebene Add-on-Faktor nicht ausreichend das Niveau der Volatilität der letzten beobachteten Stressperioden.

Der neue Ansatz ist in der Struktur der Marktbewertungsmethode allerdings sehr ähnlich. Der Forderungswert ermittelt sich aus der Summe aus aktuellem Wiederbeschaffungsaufwand (Replacement Cost, RC) und dem potenziellen künftigen Wiederbeschaffungswert (Potential Future Exposure, PFE). Hinzu kommt die Anwendung eines Skalierungsfaktors (Alpha), der mit dem Faktor 1.4 vorgegeben ist. (...)

[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 04/2017. Die Ausgabe ist seit dem 29. März 2017 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.] 

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Autoren:
Christian Rump
, CFA, Manager, Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH.
Dr. Silvio Andrae, Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV).
Ralf Backé, Senior Manager, Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH.
Andreas Hümmerich, FRM, Senior Consultant, Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH.

Artikelbild: ©maikid / iStockphoto.com