Zu schnelle Straffung bedeutet Risiko

-
12. Oktober 2017
-
Von Hans Bentzien

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Zentralbanken der Industrieländer davor gewarnt, ihre Geldpolitik zu abrupt oder zum falschen Zeitpunkt zu straffen. In seinem Globalen Finanzstabilitätsbericht äußert der IWF die Einschätzung, dass die Reaktion der Finanzmärkte auf eine straffere Geldpolitik schwer vorhersehbar sei. Der IWF räumt andererseits ein, dass die anhaltend lockere Geldpolitik in den großen Industrieländern "weitere finanzielle Exzesse" auslösen könnte. "Die unkonventionelle Geldpolitik und die quantitative Lockerung haben substanzielle Portfolioumschichtungen im Privatsektor und über Ländergrenzen hinweg erzwungen, und das macht den Anpassungsprozess an den Finanzmärkten viel weniger vorhersehbar als in früheren Zyklen", warnt der IWF. Sollte ein geldpolitischer Wechsel zu abrupt oder zum falschen Zeitpunkt erfolgen, könnte das an den Finanzmärkten Turbulenzen auslösen, die ihrerseits über Markt- und Ländergrenzen hinausgehen.

Allerdings führt die Geldpolitik laut IWF auch zu immer schwereren Verwerfungen an den Finanzmärkten: "Die Jagd nach Rendite verschärft sich, jetzt wird der Nicht-Bankensektor anfälliger, und die Marktrisiken steigen. Zu viel Geld jagt die wenigen noch rentierlichen Vermögenswerte." Laut IWF werfen nur noch 5 Prozent der weltweit verfügbaren festverzinslichen Wertpapiere mit Investment-Grade-Rating eine Rendite von über 4 Prozent ab. "Investoren werden aus ihrem natürlichen Risiko-Habitat vertrieben und akzeptieren höhere Kredit- und Liquiditätsrisiken, um den Gewinn zu steigern", gibt der IWF zu bedenken.

Auch Deutsche Bank mit zu geringer Eigenkapitalrendite
Als ein Stabilitätsrisiko betrachtet der IWF die hohe Verschuldung in den großen Volkswirtschaften. "Die Verschuldung des nicht-finanziellen Sektors ist in den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern jetzt höher als vor der Finanzkrise. Das hat zwar die Konjunkturerholung unterstützt, aber dieser Sektor ist jetzt anfälliger für Zinsänderungen", heißt es im IWF-Bericht. Schon jetzt sei die Schuldendienstquote in einigen Ländern trotz der niedrigen Zinsen hoch. Das gelte vor allem für Australien, Kanada, China und Südkorea. Laut IWF besteht die Herausforderung nun darin, eine weitere Vergrößerung dieser Anfälligkeit zu begrenzen und zugleich eine global wachstumsfreundliche Geldpolitik zu betreiben. Der Zustand der global signifikanten Banken (GSIBs) hat sich nach Einschätzung des IWF verbessert, weil Eigenkapital- und Liquiditätspuffer gestiegen seien. Problematisch ist laut IWF aber, dass rund ein Drittel der GSIBs bis 2019 keine auskömmlichen Gewinne erzielen wird. "Da schon die Probleme eines einzelnen solchen Instituts systemischen Stress hervorrufen könnten, sollten sich die aufsichtlichen Aktivitäten weiterhin auf Geschäftsmodellrisiken und eine nachhaltige Profitabilität konzentrieren", rät der IWF.

Diese Banken werden laut IWF nach der Konsensschätzung von Analysten eine Eigenkapitalrendite von unter 8 Prozent aufweisen. In früheren Veröffentlichungen hatten der IWF geschätzt, dass die Eigenkapitalkosten einer Bank – die Rendite, die Aktieninvestoren erwarten – bei 9 Prozent liegen. Niedrigere Renditen bedeuteten, dass die Bank Schwierigkeiten haben dürfte, zusätzliches Eigenkapital für schlechte Zeiten zurückzulegen. Der IWF führt in seinem Bericht neun Banken, auf die das zutrifft, namentlich auf: Citigroup, Société Générale, UniCredit Group, Deutsche Bank, Barclays, Standard Chartered, Sumitomo Mitsui Financial Group, Mizuho Financial Group und Mitsubishi UFJ Financial Group. Die Deutsche Bank wollte den Bericht nicht kommentieren. (DJN)

 

 Artikelbild: ©djedzura - iStockphoto.com