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DÜSSELDORF, 8.3.2010. Nach Ansicht der Wirtschaftsauskunftei Creditreform befindet sich der Mittelstand in Deutschland zwischen Aufschwung und Absturz, zwischen Konsolidierung und Kreditklemme. Rezession und Finanzkrise haben die Unternehmen enorm belastet. In der Folge kämpfen die Unternehmen mit einer Vertrauenkrise in der Wirtschaft sowie mit steigenden Insolvenzzahlen. "Deutschland hat eine Rezession historischen Ausmaßes durchlitten", sagt Prof. Dr. Helmut Rödl (Foto), Mitglied des Creditreform-Gesamtvorstandes. Derzeit sei zwar eine leichte Konjunkturerholung zu konstatieren, doch auf moderatem Niveau. Die Situation zeige sich nach oben gerichtet. Sowohl die Einschätzung der Geschäftslage als auch die Erwartungen in die Zukunft hätten sich signifikant verbessert, aber eine dynamische Erholung zeichne sich noch nicht ab. Viele Branchen leideten unter unausgelasteten Kapazitäten und erwarteten stagnierende Erträge. In der Folge stagniere auch die Investitionsbereitschaft, so Rödl vor Mitgliedern des Düsseldorfer Finanz Forums.
Mit einem Zeitverzug von neun bis zwölf Monaten macht sich die Entwicklung auch in den Unternehmensinsolvenzen bemerkbar. Für das verganene Jahr 2009 rechnet Creditreform mit 34.300 Unternehmenspleiten, was einen neuerlichen Höhepunkt seit dem Jahr 2005 darstellt. Insbesondere Handel und Dienstleistungsbereiche mussten 2009 überdurchschnittliche Insolvenzzuwächse verzeichnen. "Klamm, aber optimistisch", so beschreibt Wirtschaftsexperte Rödl die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstands. Das klassische Hausbankprinzip gelte kaum noch, denn seit 2002 sei ein fundamentaler Wandel erkennbar, der durch hohe Ausfallrisiken, bescheidene Margen im Kreditgeschäft, Strukturveränderungen sowie die teils stark polemisch geführte Diskussion um Basel II getrieben sei. Durch die Finanzkrise habe sich die Situation weiter verschärft, zumal sich die Bonität der Kreditnehmer erkennbar verschlechtert habe und die Kreditvergabekapazitäten der Banken geringer geworden seien. "Eine Aussetzung von Basel II ist aber der falsche Weg, obschon eine prozyklische Wirkung nicht zu leugnen ist", meint Rödl.
Wichtiger sei eine Erhöhung der Eigenkapitalquoten in den Unternehmen sowie eine Verbesserung des Risikomanagements. Insbesondere im Hinblick auf das Forderungsmanagement sieht Creditreform steigenden Handlungsbedarf. Gleichwohl werde die Finanzierung risikoreicher Investitionen sowie das Erlangen großvolumiger Kredite zunehmend schwieriger. Auch bonitätsschwache Unternehmen hätten in der Konsequenz größere Schwierigkeiten mit der Kreditvergabe. Dies sei allerdings nicht mit einer Kreditklemme zu verwechseln. Anzeichen eines "Credit Crunch" kann auch die Wirtschaftsforschung von Creditreform nicht erkennen. "Dies ist ohnehin eine akademische Diskussion ohne praktischen Nutzen", sagt Rödl. Da eine niedrige Eigenkapitalquote ein erhöhtes Insolvenzrisiko nach sich ziehe, gewinne die Schaffung finanzieller Puffer im Unternehmen weiter an Bedeutung. "Manchen Unternehmern ist die Bedeutung des Eigenkapitals leider noch immer nicht bewusst", so Rödl. Vor allem der Mittelstand müsse sich selber helfen. Der Aufbau eines Kapitalstocks benötige mehrere Jahre, sodass Strategien zur Verbesserung und Entwicklung von Eigenkapital langfristig geplant werden müssten. Dies könne auch in der Suche nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten münden, z.B. Mezzanine-Finanzierungen, Venture Capital oder KMU-Fonds. "Kreative Unternehmer sind auch kreativ in ihrer Finanzierung", so das Fazit Rödls.