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MaRisk und interne Steuerung
22.7.2010. Ein Artikel der Zeitschrift RISIKO MANAGER geht der Frage nach, wie eine Umsetzung der MaRisk-Anforderung, dass Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Risikoarten berücksichtigt werden sollten, erfolgen kann. Diese Frage stellt sich insbesondere bei der Bestimmung des Gesamtrisikos und der sich anschließenden Beurteilung der Risikotragfähigkeit eines Instituts. Im Ergebnis zeigt sich, dass ein aufwändiges Copula-Verfahren zur Aggregation der unterschiedlichen Risikoarten durch eine einfache korrelierte Addition angemessen genähert werden kann. Dies ermöglicht operativ eine schnelle Bestimmung des Gesamtrisikos.
Damit ein Kreditinstitut beurteilen kann, ob die von ihm eingegangenen Risiken tragbar sind, muss es das Gesamtrisiko mit dem Risikodeckungspotenzial vergleichen, das ihm für die Abdeckung von Risiken maximal zur Verfügung steht. Um das Gesamtrisiko zu bestimmen, sind die Beiträge verschiedener Risikoarten zu aggregieren. Eine solche Aggregation ist auf unterschiedlichen methodischen Ebenen möglich. Sie unterscheiden sich darin, wie bei der Aggregation die Diversifikationseffekte, allgemein beschrieben als eine „Risikoreduktion durch Streuung“, berücksichtigt werden.
Insgesamt sind drei verschiedene Ebenen der Bestimmung von Risiken unter Berücksichtigung von Diversifikationseffekten zu konstatieren. Jeder Übergang auf eine höhere Ebene stellt dabei einen methodischen Fortschritt dar. Auf der ersten Ebene ist für die Risikoart „Marktpreisrisiko“ für jeden Risikofaktor wie Zins oder Wechselkurs ein eigener Value-at-Risk-Betrag (VaR-Betrag) zu bestimmen. Eine Berücksichtigung von Diversifikationseffekten erfolgt dabei nur innerhalb eines Risikofaktors, indem die Berechnung auf einem Saldo von Long- und Short-Positionen basiert. Das Marktpreisrisiko ergibt sich dann durch Addition der einzelnen VaR-Beträge.
Auf der zweiten Ebene werden Diversifikationseffekte innerhalb einer Risikoart erfasst. So ergibt sich beim Marktpreisrisiko nur noch ein einziger VaR-Betrag, der Diversifikationseffekte zwischen den Risikofaktoren Zins oder Wechselkurs beinhaltet.
Auf der dritten Ebene werden unterschiedliche Risikoarten zusammengeführt. Dies geschieht nicht etwa durch Addition einzelner VaR-Beträge – beispielsweise denen des Marktpreis- und des Adressenausfallrisikos – sondern durch eine andere Art der Aggregation, die Diversifikationseffekte zwischen den Risikoarten berücksichtigt.
Die dritte Ebene lässt sich unterteilen in Top-Down- und Bottom-Up-Ansätze: Der Top-Down-Ansatz geht beispielsweise von zwei VaR-Beträgen für das Marktpreis- und Adressenausfallrisiko als Ausgangsbasis der Aggregation aus. Beim Bottom-Up-Ansatz hingegen erfolgt eine Aggregation mit den elementaren Risikofaktoren als Ausgangsbasis, ohne zunächst zwei einzelne VaR-Werte zu ermitteln.
Gemäß Solvabilitätsverordnung (SolvV) haben Banken im Rahmen der externen Steuerung die Möglichkeit, methodisch die zweite Ebene zu betreten: Sie können die für Markpreisrisiken erforderlichen Eigenmittel mit einem internen Modell quantifizieren. Die erforderlichen Eigenmittel für das Adressenausfallrisiko und das operationelle Risiko werden dann dazu addiert. Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) gehen für die interne Steuerung noch weiter, in dem sie in AT 4.3.2. eine Empfehlung formulieren, die methodisch der dritten Ebene entspricht: „Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Risikoarten sollten berücksichtigt werden“. In den MaRisk AT 2.2 werden folgende Risikoarten exemplarisch genannt: Adressenausfallrisiko, Marktpreisrisiko, Liquiditätsrisiko und operationelles Risiko.
Darüber hinaus heißt es in AT 4.1: „Auf der Grundlage des Gesamtrisikoprofils ist sicherzustellen, dass die wesentlichen Risiken des Instituts durch das Risikodeckungspotenzial, gegebenenfalls unter Berücksichtigung von Wechselwirkungen, laufend abgedeckt sind und damit die Risikotragfähigkeit gegeben ist.“
Vor diesem Hintergrund wurden in den letzten Jahren von Banken verstärkt Bemühungen unternommen, im Rahmen einer integrierten Gesamtbanksteuerung die Risiken unterschiedlicher Risikoarten nicht nur zu summieren, sondern derart zu aggregieren, dass eine Berücksichtigung von Diversifikationseffekten erfolgt. Damit erschließt sich einer Bank die Möglichkeit, ihr Gesamtrisiko sachgerechter zu ermitteln.
Da das Gesamtrisiko eines Instituts in der Regel maßgeblich durch das Marktpreis- und das Adressenausfallrisiko bestimmt ist und grundsätzlich Diversifikationseffekte zwischen den größten Risiken auch zur größten Reduzierung des Gesamtrisikos führen, steht die Wechselwirkung dieser beiden Risikoarten im Fokus der nachfolgenden Betrachtungen. Methodisch wird dabei ein Vorgehen gemäß der dritten Ebene aufgezeigt – und zwar im Top-Down-Ansatz mit zwei VaR-Beträgen für das Marktpreis- und das Adressenausfallrisiko als Ausgangsbasis.
Um einen Überblick zu erhalten, wie viele Institute Diversifikationseffekte zwischen Risikoarten berücksichtigen und wie groß die Reduzierung des Gesamtrisikos ist, erfolgt zunächst eine Analyse der Geschäftsberichte 2009 der 20 größten deutschen Banken. Danach wird untersucht, welche Korrelation zur Quantifizierung der Diversifikation zwischen dem Adressenausfall- und dem Marktpreisrisiko zu wählen ist. Es folgt eine Beschreibung der wichtigsten Aggregationsmethoden (Gauß-Copula, korrelierte Addition) und der ihnen zugrunde liegenden Annahmen. Für die Methode der Gauß-Copula werden die einzelnen Schritte zur Umsetzung des erforderlichen Simulationsverfahrens dargelegt. Aus dem Vergleich der beiden zuvor beschriebenen Aggregationsmethoden ergibt sich abschließend ein konkretes Vorgehen, wie eine sachgerechtere Bestimmung des Gesamtrisikos erfolgen kann.
Analyse von Geschäftsberichten
Eine Analyse der Geschäftsberichte 2009 der nach Bilanzsumme zwanzig größten deutschen Banken zeigt, wie viele Banken Diversifikationseffekte zwischen Risikoarten berücksichtigen und wie groß die Reduzierung des Gesamtrisikos ist. Die Ergebnisse sind hier zusammengefasst.
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Autoren:
Dr. Olaf Hahneiser leitet das Referat Gesamtbankrisiko der NRW.BANK in Düsseldorf.
Prof. Dr. Hermann Schulte-Mattler lehrt BWL insbesondere Finanzwirtschaft an der Fachhochschule Dortmund.