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Finanzindustrie mit Nachholbedarf im Kampf gegen Cyber-Kriminalität
Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte weist die Finanzbranche noch Defizite im Bereich Datenschutz und Datensicherheit auf. Allerdings arbeiten Banken derzeit intensiv daran, eventuell vorhandene Lücken zu schließen. So sind laut der Studie die Investitionen in diesem Bereich trotz der Wirtschaftskrise gestiegen. Dabei standen mit Zutrittskontrollsystemen vergleichsweise kostenintensive Präventionsinstrumente sogar ganz oben auf der Prioritätenliste – noch vor Programmen zum Schutz sensibler Unternehmensdaten. Allerdings mangelt es in den meisten Instituten noch an einer Verbindung von Security- und Geschäftszielen. Eine zentrale Voraussetzung für eine wirksame Sicherheitsstrategie ist somit nicht erfüllt.
Im internationalen Vergleich sind die Finanzdienstleister aus der EMEA-Region eigenen Einschätzungen zufolge am besten gegen die vielfältigen Gefahren gerüstet. Auch die Zufriedenheit mit den materiellen Ressourcen liegt über dem internationalen Durchschnitt. Länderübergreifend teilen jedoch nahezu alle Unternehmen und Organisationen der Finanzbranche die Sorge um mögliche Bedrohungen. „Zwei Elemente sind von herausragender Bedeutung: Zum einen die Effizienz von Sicherheitssystemen nach innen und nach außen, zum anderen die Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzen. Der Nachweis der Wertschöpfungspotenziale ist eine enorme Herausforderung – vor allem, da geeignete Metriken bislang weitgehend fehlen. Auf der anderen Seite sind die Sicherheitsbudgets bislang von drastischen Kürzungen verschont geblieben, was ein grundsätzliches Bewusstsein für ihren Beitrag zur Wertschöpfung erkennen lässt”, kommentiert Carsten Schinschel, Partner Security&Privacy von Deloitte, die Ergebnisse der Studie
Internationaler Vergleich: EMEA im Mittelfeld
Nach geografischen Gesichtspunkten sowie Unternehmensart und -größe betrachtet positionieren sich asiatische Unternehmen in vielen Disziplinen oberhalb des internationalen Durchschnitts, beispielsweise bei der Existenz einer dokumentierten und geprüften Informations-Security-Strategie. Finanzdienstleister aus dem Nahen Osten liegen dagegen in fast allen Bereichen zurück. Der EMEA-Raum hingegen stellt nur in einem Punkt den Spitzenreiter, liegt aber nirgendwo deutlich unter dem Durchschnitt. Insgesamt sind große Unternehmen besser aufgestellt als kleine. Gerade für letztere Gruppe gewinne das Thema jedoch stark an Bedeutung, da sie immer öfter zum Objekt von „Testangriffen” durch Cyberkriminelle werden. Immerhin ein Viertel der Banken verfügt über Metriken zur Evaluierung der Sicherheitsinvestitionen, drei Viertel der Versicherungen bieten ihren Mitarbeitern Trainings zur Früherkennung verdächtigen Verhaltens an.
Schutz vor unkontrolliertem Zugriff auf Unternehmensinformationen
Mit einem Anteil von 44 Prozent sehen die meisten Befragten die Installation eines wirksamen Zutritts- und Zugriffskontrollsystems als wichtigste Sicherheitsmaßnahme an. Dahinter folgt mit 39 Prozent der Nennungen der Schutz von Unternehmensdaten. 36 Prozent wollen ihre Security-Infrastruktur optimieren und 34 Prozent sehen die Compliance mit ihren regulatorischen Vorgaben als dringliche Herausforderung. Auch die Kontrolle von Drittanbietern erweist sich laut der Studie als Problem: Knapp die Hälfte der Befragten vertraut nur halbherzig auf die bestehenden Mechanismen in diesem Bereich. Immerhin verfügt mit etwa 80 Prozent die klare Mehrheit über einen Verantwortlichen für die Informationssicherheit in führender Position.
Angst vor der „Gefahr von innen”
Wie schon die hohe Priorisierung von Zutritts- und Zugriffskontrollsystemen zeigt, sehen die Unternehmen bei den eigenen Mitarbeitern ein größeres Gefahrenpotenzial als bei externen Angreifern. Laut der Studie sind aktuell 42 Prozent der Befragten nur mäßig zufrieden mit den entsprechenden Maßnahmen in ihrem Unternehmen. Dabei fürchten sich die Verantwortlichen vor allem vor menschlichem Versagen. Abgesehen davon bereitet das hohe Niveau externer wie interner Angriffe Kopfzerbrechen. Als größte Gefahrenquelle für externe Attacken sehen die Verantwortlichen Botnetze an. Wie hoch die finanziellen Schäden bereits erfolgter Angriffe sind, können viele Finanzdienstleister allerdings nicht beziffern – nur gut die Hälfte verfügt über eine Loss-Event-Datenbank.
„Maximale Sicherheit verlangt nicht nur konkrete Einzelmaßnahmen, sondern auch Konvergenz – und anspruchsvolle Technologien. In puncto Konvergenz scheint eine neue Ära angebrochen zu sein. Erstmals geben fast 60 Prozent der Befragten an, sich mit speziellen Risikobewertungen, strukturellen Neuerungen, aber auch im Berichtswesen in diese Richtung zu bewegen”, sieht Schinschel positive Anzeichen innerhalb der Branche. Vor allem als Folge der zunehmenden Professionalität der Angreifer seien auch immer mehr Unternehmen bereit, neue Technologien zu einem deutlich früheren Zeitpunkt zu adaptieren.
Die vollständige „2010 Financial Services Global Security Study” steht auf der Deloitte-Website unter www.deloitte.com zum kostenlosen Download zur Verfügung. ░
Trotz Krise sind viele Banken im Firmenkundengeschäft erfolgreich
Laut der Studie „Crisis as Opportunity: Global Corporate Banking 2010” der Strategieberatung The Boston Consulting Group (BCG) gelingt es vielen Banken, ihre Profitabilität im Firmenkundengeschäft auch im Abschwung zu verbessern und den Vorsprung gegenüber schwächeren Wettbewerbern auszubauen. Trotz der Einbrüche in anderen Geschäftsfeldern (insbesondere durch die Abschreibungen hypothekarisch gesicherter Wertpapiere oder die hohen Einbußen im Kreditkartengeschäft) gelang es zahlreichen Banken in den vergangenen beiden Jahren, Zinsanpassungen bei Firmenkundenkrediten zu realisieren, neue Kredite und Einlagen zu gewinnen und die Erlöse im Investmentbanking und Risikomanagement zu steigern. In vielen Fällen reichten diese Maßnahmen aus, um den seit Ende 2007 rasant steigenden Kreditausfällen entgegenzuwirken. Für die Studie wurde das Firmenkundengeschäft von mehr als 100 Finanzinstituten weltweit analysiert.
Jede dritte Bank mit Gewinn
Der BCG-Studie zufolge konnte rund ein Drittel der analysierten Banken den Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise im Corporate Banking gut standhalten und war in der Lage, ihren im Firmenkundengeschäft erwirtschafteten Gewinn nach Eigenkapitalkosten zwischen Ende 2007 und Ende 2009 zu steigern. Führende Banken konnten dabei auf ihren Erfolgen bei nicht-kreditbezogenen Produkten im Zahlungsverkehr oder auf ihr Risikomanagement aufbauen und gleichzeitig die Margen im Kreditgeschäft deutlich ausbauen. Mit Erholung der Finanzbranche und der Realwirtschaft seit dem ersten Quartal 2010 gehen die Margen jedoch bereits wieder zurück. Für die meisten der analysierten Firmenkundenabteilungen hat die Krise das Geschäftsumfeld jedoch erschwert. Für diese Banken liegt der Gewinn (unter Annahme einer langfristigen Mindestkapitalverzinsung von zwölf Prozent) noch deutlich unter dem Niveau, das im Jahr 2007 erreicht wurde.
Höchste Renditen im Geschäft mit kleinen Kunden
Mit Blick auf einzelne Kundensegmente erzielten Finanzhäuser im Mikrosegment (d. h. bei Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von weniger als zwei Millionen US-Dollar) bei weitem die höchste durchschnittliche Kapitalrendite, gefolgt vom Kundensegment kleiner und mittlerer Unternehmen. Großkunden (d. h. Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 250 Mio. US-Dollar) erwiesen sich aufgrund der hohen Wettbewerbsintensität und Transparenz erneut als schwierigste Zielkundengruppe der Banken in Bezug auf ihre Wertschaffung. Allerdings konnte durch eine kräftige Erhöhung der zuvor sehr niedrigen Margen der Profitabilitätsabstand zu mittleren Unternehmen verringert werden.
Um aktuell bestehende Marktchancen zu nutzen, müssen nach Einschätzung der BCG die im Firmenkundengeschäft tätigen Banken die Trends kennen, die ihre Branche am stärksten bewegen. Dazu zähle vor allem die fortschreitende Globalisierung. So würden von 2009 bis 2019 rund 40 Prozent der globalen Erlössteigerungen im Firmenkundengeschäft in den BRIC-Staaten erzielt, während die Studie für etablierte Märkte wie Deutschland einen härteren Wettbewerb und moderate Wachstumsmöglichkeiten prognostiziert.
Zudem müssten die Banken damit rechnen, dass als Reaktion auf die Krise zukünftig eine größere Vorsicht und Risikovermeidung die Branche bestimmen und regulatorische Veränderungen die Erträge im Firmenkundengeschäft schmälern werden – selbst wenn das Firmenkundengeschäft im Vergleich zu anderen Segmenten weniger stark von den Veränderungen betroffen sein wird. Dabei werden die Anforderungen an das Reporting in allen Bereichen zunehmen, was nicht nur für Finanz- und Risikoanalysten gelte, sondern auch für die Mitarbeiter im Kundenkontakt. Weitere relevante Branchentrends sind nach Ansicht der BCG die Verschiebung von Wirtschafts- und Industriestrukturen sowie technologische Fortschritte.
Nachhaltiger Erfolg durch fokussierte Strategie
Um in der Zeit nach der Krise erfolgreich zu sein, sollten sich Banken im Firmenkundengeschäft nach der Empfehlung der BCG auf einige Prioritäten fokussieren: Die Studie nennt hierbei den Aufbau hochwertiger Kundenbeziehungen, eine Kultur des Risikobewusstseins und der Verantwortung, die Verbesserung des Transactionbankings, die Entwicklung eines zukunftsfähigen Geschäftsmodells sowie die Schaffung von durchgehender Transparenz und einer hoch leistungsfähigen Organisation. Laut der Studie überprüfen derzeit zahlreiche Firmenkunden die Beziehung zu ihren Banken. Dabei legten sie noch mehr Wert auf eine solide Bilanz und einen guten Ruf des Instituts, um nicht bei der nächsten Liquiditätskrise ihrer Bank in Bedrängnis zu geraten.░
Österreichs Banken sehen noch kein Ende der Krise
Laut einer aktuellen Umfrage der Beratungsgesellschaft emotion banking kann die österreichische Finanzindustrie noch keine nachhaltige Verbesserung ihrer Lage verzeichnen. Während von den über 180 befragten Vorständen und Führungskräften lediglich 28 Prozent eine Verbesserung der Ertragssituation erwarten, gehen knapp 40 Prozent von einem Ertragsrückgang aus.
Insgesamt ist die Krise aus Sicht der Banken keinesfalls ausgestanden: 43 Prozent sehen den Höhepunkt der weltweiten Wirtschaftskrise noch vor sich, lediglich 13 Prozent meinen, dass das Schlimmste bereits überstanden ist. Insgesamt stehen diese Einschätzungen allerdings auf wackeligen Beinen, was sich an der großen Zahl der Unentschlossenen zeigt – so erwartet ein Drittel der Befragten in den kommenden zwölf Monaten keine Veränderung der Ertragssituation. Diese Einschätzung erklärt auch die allgemeine Zurückhaltung der Banken bei Investitionen in die Zukunft: Lediglich sechs Prozent wollen sich durch größere Investitionsprojekte für den Aufschwung fit machen und nur sieben Prozent denken an Personaleinstellungen. In Summe werden jedoch Sachinvestitionen dem Investment in personelle Kapazitäten vorgezogen.
Ausgeprägter Optimismus für das eigene Institut
Entgegen dem allgemeinen Pessimismus wird das eigene Bankhaus von mehr als 56 Prozent als Gewinner gesehen. Lediglich im Sektor der Volksbanken liegt dieser Anteil mit 16 Prozent deutlich niedriger. Vor allem für das laufende Jahr gehen die Befragten von positiven Geschäftszahlen aus: Beim Zinsergebnis erhofft sich jeder Vierte einen Zuwachs von mindestens drei Prozent – wobei allerdings ebenso viele von einem Rückgang in dieser Höhe ausgehen. Im Hinblick auf die Provisionen aus dem Vertrieb zeigen sich dagegen 45 Prozent optimistisch, ihr Ergebnis um mindestens drei Prozent steigern zu können. Auch die Kreditnachfrage wird auf hohem Niveau gesehen: Hier erwartet jeder Zweite ein Plus von drei Prozent oder mehr.
Im Jahr 2011 wollen insbesondere Raiffeisenbanken mehr Kredite vergeben und erwarten sich dadurch ein bis zu zehn Prozent höheres Geschäftsvolumen. Hinzu kommt eine Reduktion der Wertberichtigungen im Vergleich zum Vorjahr, wobei in absoluten Zahlen 37 Prozent der Banken einen Anstieg der Wertberichtigungen um mindestens drei Prozent budgetiert haben.
Hinsichtlich der Kundengewinnung sind 30 Prozent der Banken sehr optimistisch und rechnen mit Zugewinnen von bis zu zehn Prozent. Sparkassen profilieren sich hier mit einem besonders ausgeprägten Optimismus. Daneben sehen die Befragten vor allem im Bereich Web 2.0 und Online Banking eine Chance, neue Kunden zu gewinnen, wobei mit diesen Chancen kein konkretes Handeln einhergeht. Überraschend ist jedoch, dass selbst nach dem sehr einlagenlastigen Jahr 2009 lediglich zwei Prozent mit einem schrumpfenden Geschäftsvolumen rechnen. Insgesamt weisen die genannten Faktoren auf ein gutes Betriebsergebnis hin, zumal auch der Personal- und der Sachaufwand als stabil bis schrumpfend gesehen werden.
Finanzvertriebe als große Verlierer der Krise
Für Christian Rauscher, den Geschäftsführer von emotion banking, geben die Antworten einige Rätsel auf: „Während die Ertragserwartung für die Banken allgemein schwach ausgeprägt ist, zeigen sich die Verantwortlichen für das eigene Haus deutlich positiver. Hier stehen die Signale auf Wachstum.” Somit stelle sich die Frage, woher dieses Wachstum kommen soll, wenn nicht investiert wird und die Führungskräfte auch davon ausgehen, dass sich das Kundenverhalten nicht verändert. Hinzu komme eine Zinssituation, die schwer einschätzbar bleibe sowie Diskussionen über neue Regularien und Steuern. Dies sei eigentlich kein Umfeld, das für weiteres Wachstum spreche.
Eine Erklärung für die oben skizzierten Widersprüche könnte die Suche nach den Verlierern liefern. So werden fast alle Wettbewerber der Banken im vergangenen Jahr als Verlierer der Krise eingestuft. Am schlimmsten hat es erneut die Finanzvertriebe getroffen. Eine große Mehrheit von 88 Prozent der Bankvorstände sehen diese Branche geschwächt. Etwas besser kommen die Versicherungen weg, wobei auch deren Saldo der Einschätzungen aus „Stärkung der Marktposition” und „Schwächung der Marktposition” negativ sei.
Direktbanken und Internetplattformen werden dagegen wieder auf der Gewinnerseite gesehen. Diese beiden Gruppen zeigen im Vergleich zum Jahr 2009 eine deutliche Verbesserung der Marktstellung (Direktbanken plus 47,3 Prozent, Internetplattformen plus 60,5 Prozent). Auch in den kommenden zwölf Monaten erwartet knapp ein Drittel der befragten Führungskräfte eine positive Entwicklung in diesen Segmenten, während die Hälfte zumindest von einer gleichbleibenden Marktstellung ausgeht. Insgesamt bleibe der Trend hin zu einer steigenden Wettbewerbsintensität intakt: So prognostizieren über 70 Prozent der befragten Führungskräfte einen weiteren Anstieg des Wettbewerbes in den nächsten zwölf Monaten. ░
Wohlhabende Kunden bleiben risikoscheu
Laut dem 14. jährlichen „World Wealth Report” von Merrill Lynch Global Wealth Management und Capgemini agieren HNWIs („High net worth individuals”, d. h. Anleger mit einem Nettofinanzvermögen von mindestens einer Million US-Dollar exklusive Hauptwohnsitz, Sammlerstücken, Verbrauchsgütern und langlebigen Gebrauchsgütern) trotz des Aufschwungs am Aktienmarkt bei ihrer Geldanlage weiterhin vorsichtig. Folgerichtig stellen ein „erfolgreiches Risikomanagement” (90 Prozent der Nennungen), „Transparenz und Einfachheit” sowie „Fachberatung” (jeweils 93 Prozent der Nennungen) die Hauptprioritäten im gegenwärtigen Umfeld dar.
Der Studie zufolge wirkte sich die Krise sowohl auf der persönlichen als auch der emotionalen Ebene aus. Viele Reiche hätten Einkünfte verloren, sahen ihre Ersparnisse für den Ruhestand schrumpfen oder stießen auf Probleme bei der Kreditgewährung. Angesichts des dadurch entstandenen Vertrauensverlustes sei es nicht weiter verwunderlich, dass sich viele Investoren bei ihren Anlageentscheidungen auch von emotionalen Faktoren leiten lassen. Dementsprechend würden Vermögensverwaltungsgesellschaften und Berater ihre derzeitigen Ansätze anpassen, um in einem umfassenderen Dialog auf die Besorgnisse ihrer Kunden besser Rücksicht nehmen zu können.
Das Vertrauen der HNWIs bleibt erschüttert
Insgesamt sei das Vertrauen von HNWIs in die Aufsichtsbehörden und Finanzmärkte noch nicht wieder vollständig hergestellt. Zwar gaben 59 bzw. 56 Prozent an, dass sie ihr Vertrauen in ihren Berater bzw. ihre Vermögensverwaltungsgesellschaft im letzten Jahr zurückgewonnen hätten. Im Hinblick auf die Aufsichtsbehörden wurde diese Aussage jedoch nur von 29 Prozent getroffen.
Der aktuelle „World Wealth Report” steht auf der Website von Capgemini unter www.de.capgemini.com zum kostenlosen Download zur Verfügung.░
Trendwende bei Insolvenzen steht erst 2011 an
Laut einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes spiegelt sich die konjunkturelle Erholung der deutschen Wirtschaft auch zunehmend in der Entwicklung der Firmeninsolvenzen wider. So sollte die Zahl der Firmeninsolvenzen in diesem Jahr nach dem dramatischen Anstieg 2009 nur noch um 1,3 Prozent auf 33.100 Fälle zunehmen. Die Summe der Not leidenden Forderungen dürfte im laufenden Jahr dagegen bereits deutlich sinken.
Entspannung bei Not leidenden Forderungen
In ihrer neuesten Prognose rechnen die Experten von Euler Hermes erst 2011 mit einer signifikanten Trendumkehr bei den Unternehmensinsolvenzen. Dann wird die Zahl voraussichtlich um 5,4 Prozent auf 31.300 sinken. Das Vor-Krisen-Niveau von unter 30.000 Fällen wird damit aber immer noch nicht erreicht. Eine schnellere Besserung ist nach der Prognose des Kreditversicherers bei den Not leidenden Forderungen zu erwarten, die im Jahr 2009 infolge von zahlreichen Großpleiten um mehr als 230 Prozent auf insgesamt 73,1 Mrd. Euro hochschnellten. Allein aufgrund des Basiseffekts dürfte 2010 die Summe der Not leidenden Forderungen wieder deutlich sinken. Konkret erwartet Euler Hermes einen Rückgang um 62,8 Prozent auf 27,2 Mrd. Euro. Gegenüber dem Jahr 2008 bedeutet dieser Wert aber immer noch eine Zunahme um knapp 25 Prozent. Für das Jahr 2011 ist dann mit einem weiteren Rückgang um weitere 11,8 Prozent auf rund 24 Mrd. Euro zu rechnen.
Branchenunterschiede bestehen fort
Mit Blick auf die Hauptbranchen in Deutschland bleibt die Lage vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und bei den Dienstleistungen angespannt. In beiden Sektoren steigt die Zahl der Firmeninsolvenzen 2010 weiter an. Das Verarbeitende Gewerbe, 2009 mit einem Zuwachs von gut 40 Prozent weitaus am härtesten getroffen, verzeichnet laut der Studie im Jahr 2010 bei den Insolvenzfällen voraussichtlich ein weiteres, wenn auch moderates, Plus von 1,9 Prozent. Dabei sind in wichtigen Industriezweigen wie dem Maschinenbau und der EDV-Branche noch anhaltende, aber abgeschwächte Zuwächse zu erwarten, während beispielsweise im Automobilbau, aber auch im Bereich Eisen und Stahl die schwere Insolvenzwelle langsam wieder abebbt.
Bei den Dienstleistungen gehen 2010 voraussichtlich 18.170 Betriebe in die Pleite, das sind 5,2 Prozent mehr als 2009 und 54,9 Prozent aller gewerblichen Insolvenzfälle. Im Baugewerbe und im Handel dürfte die Zahl der Firmenpleiten dagegen bereits im laufenden Jahr um 8,3 bzw. 1,6 Prozent sinken. Das Baugewerbe, jahrelang die Sorgenbranche der deutschen Wirtschaft, schneidet damit, wie schon in den beiden Jahren zuvor, in dieser Hinsicht besser ab als die anderen Hauptbranchen der deutschen Wirtschaft.
Ausgeprägtes Nord-Süd- und Ost-West-Gefälle
In den alten Bundesländern wird die Zahl der Firmenpleiten 2010 voraussichtlich noch einmal um zwei Prozent auf 26.900 Fälle steigen. In den neuen Bundesländern und in Berlin erwartet Euler Hermes dagegen bereits in diesem Jahr einen Rückgang: In den neuen Ländern um 1,7 Prozent auf 4.730 und in der Bundeshauptstadt um 1,9 Prozent auf 1.470 Fälle.
Bei den Insolvenzquoten ergibt sich wie schon in den Jahren zuvor auch 2010 ein ausgeprägtes Ost-West- und Nord-Süd-Gefälle. Einzige Ausnahme von diesem Muster ist Nordrhein-Westfalen, das mit einer Quote von 172 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen mit weitem Abstand an der Spitze aller Bundesländer liegt und sich auch weit über dem gesamtdeutschen Schnitt von 104 bewegt. Auf den nächsten Plätzen folgen Sachsen-Anhalt (140), Sachsen (128), das Saarland (117) und Schleswig-Holstein (114). Baden-Württemberg führt die Rangliste als bestes Bundesland mit einer Quote von 61 an, gefolgt von Bayern (69), Hessen (76) und Thüringen (81).░
Versicherungsmärkte bleiben trotz Finanzkrise intakt
Laut dem „Multinational Client Service Report 2010: Competition Nets Rewards” des Versicherungsmaklers Marsh hatte die Finanzmarktkrise in keiner Region der Welt eine spürbare Verknappung an Versicherungs-Zeichnungskapazitäten zur Folge. Vielmehr sei der Wettbewerb überall intakt und sorge für stabile Preise. Allerdings wirke sich die weltweit zunehmende Regulierung des Finanzmarkts verstärkt auch im Versicherungsgeschäft aus, ebenso wie die steigende Finanzknappheit in den Staatshaushalten. Auch die Erfüllung lokaler Sonderanforderungen und die Beachtung des nationalen Steuerrechts werden der Studie zufolge künftig einen stärkeren Einfluss auf das transnationale Risikomanagement ausüben.
Prämienniveau auf stabilem Niveau
In den meisten Regionen der Welt sind die Industrieversicherungsprämien derzeit stabil und werden dies nach Einschätzung von Marsh auch für den Rest des Jahres bleiben, sofern keine Großschäden eintreten. In Europa stiegen die Schäden zwar deutlich an und die Versicherer zogen Kapazitäten aus dem besonders betroffenen Kreditversicherungsmarkt zurück, in beinahe allen anderen Sparten sei jedoch der weiterhin intensive Wettbewerb stärker als der Druck durch steigende Schadensquoten. In Asien und Australien tendieren die Versicherungsmärkte auch weiterhin weich, trotz hoher Schäden durch Naturkatastrophen, wie etwa den Fluten in Pakistan und den Philippinen, eines Erdbebens in Indonesien und der Buschfeuer in Australien. Auch in den USA und Kanada sorgt ein sehr intensiver Wettbewerb für stabile bis sinkende Prämien.
„Wir sehen nicht, dass die Finanzkrise weltweit zu Zeichnungsengpässen bei den Versicherern geführt hat”, sagt Christiaan Zevenbergen, Mitglied der Zentralen Geschäftsführung und verantwortlich für den Multinational Client Service bei Marsh in Deutschland. „Vielmehr finden wir in allen Regionen einen intakten Wettbewerb, der trotz objektiv steigender Schadenquoten die Preise konstant hält. Ausnahmen gibt es lediglich in stark von der Krise betroffenen Bereichen, vor allem bei Haftpflicht-Deckungen für Finanzdienstleister und bei Kreditversicherungen.”
Aufsichts- und finanzrechtliche Bestimmungen nehmen zu
Weltweit werden nach der Beobachtung von Marsh die Versicherungsbestimmungen und Steuergesetze verschärft und bestehende Regelwerke deutlich intensiver durchgesetzt. So hätten die Finanzbehörden in der EU und Kanada damit begonnen, weltweite Versicherungsprogramme multinationaler Unternehmen auf prämienbezogene Steuern hin zu untersuchen und solche dann auch zu erheben.
Ein weiterer globaler Trend seien die zunehmenden Anforderungen an die lokale Versicherungsdeckung. Dies gelte besonders bei Produktrückruf- und Berufshaftpflichtversicherungen sowie bei Deckungszertifikaten als Bedingung für die Teilnahme an Ausschreibungen. In Europa werden zunehmend hohe Finanzverlust-Limite verlangt.
Trend zur Lokalisierung von Versicherungsprogrammen setzt sich fort
Vor diesem Hintergrund könne Marsh zufolge eine Lokalisierung der Master-Police mit zusätzlicher ergänzender Deckung sowohl die gesetzlichen Anforderungen erfüllen als auch die Steuervorteile lokaler Prämien- und Verlustzahlungen nutzen. Die Versicherer passen sich diesem Trend bereits an und bieten neue Produkte und Deckungen mit verbesserter Absicherung an. Dazu gehörten die Formulierung von Verträgen, welche die Unterschiede bei Bedingungen und Limiten klar ausweisen, neue Eigentragungs-Programme, breite Angebote zur Deckung finanzieller Verluste und die Einbeziehung lokalisierter Berufshaftpflicht-Deckungen in internationale Master-Programme.
Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass Eigentragungs-Programme nicht mehr durch Versicherungspolicen Dritter zertifiziert werden könnten. Wenn ein Versicherer eine lokale Police ausstellt, die eine umfassende Deckung ausweist, dann muss die Prämie dieser Police auch das Risiko widerspiegeln, das sie in dem entsprechenden Land trägt, um den regulatorischen Anforderungen zu entsprechen. Daher ist es nicht mehr möglich, einen Versicherer als Garantiegeber für selbst getragene Risiken zu nutzen. Als Antwort darauf bieten Versicherer neu geschaffene Selbstbehalt-CMP-Versicherungen („Commercial Multiple Peril”) an, die sowohl kostengünstig sind als auch den regulatorischen und fiskalischen Anforderungen entsprechen.
„In der Folge der Krise erleben wir eine deutliche Lokalisierung und Bürokratisierung des weltweiten Risikomanagements”, so die Beobachtung Zevenbergens. „Gleichzeitig fallen auch die steuerlichen Aspekte internationaler Absicherungskonzepte stärker ins Gewicht. Vor diesem Hintergrund müssen Risikomanager multinationaler Unternehmen eine neue Balance zwischen Kosten, Deckung und Compliance in ihren globalen Programmen finden.” ░