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MÜNCHEN, 30.6.2008 (Reuters). Nach dem Kurssturz beim bayerischen Zahlungsverkehrs-Abwickler Wirecard tobt eine Auseinandersetzung um Ursachen und Folgen. Vorstandschef Markus Braun verwahrte sich am Freitag in Grasbrunn bei München gegen Gerüchte um angebliche Bilanzfälschungen. Wirecard sei vielmehr Opfer von aus London und Frankfurt gesteuerten Leerverkaufs-Attacken. Dabei handelt es sich offenbar um Investoren, die mit Kursverlusten Geld verdienen. "Daneben wurden bereits Schritte gegen Personen eingeleitet, die gezielt falsche Behauptungen gestreut haben, um die Kursverluste auszulösen", sagte er. Die im Technologie-Index TecDax notierten Aktien von Wirecard waren am Donnerstag um bis zu 30 Prozent eingebrochen und verloren am Freitag zeitweise weitere fast 20 Prozent. Bis zum Nachmittag erholten sie sich wieder und lagen gut ein Prozent im Plus bei 7,82 Euro. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) goss neues Öl ins Feuer: Sie warf Wirecard irreführende Bilanzierung vor. Der Abschluss und die Kapitalflussrechnung seien "höchst intransparent", sagte der SdK-Vorsitzende Klaus Schneider zur Nachrichtenagentur Reuters. Die Angaben zu ausländischen Tochterfirmen seien mangelhaft. "Wirecard legt gegenüber seinen Aktionären nicht ausreichend offen, womit die Firma ihr Geld verdient", so Schneider. Dies habe die SdK auch auf der Hauptversammlung am Dienstag klargemacht. Wirecard-Chef Braun konterte die Anschuldigungen und warf den Aktionärs-Vertretern vor, die Gerüchte anzuheizen und sich instrumentalisieren zu lassen. "Hierdurch ist unseren Aktionären an einem Tag ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden", sagte er. Wirecard werde gegen Veranlasser und Nutznießer dieser Gerüchte zivil- und strafrechtlich vorgehen. Das Unternehmen sei auf die Wertpapieraufsichtsbehörde BaFin zugegangen, um den Fall unter die Lupe nehmen zu lassen. "Wir wurden gebeten, das zu tun, und werden prüfen, ob es Hinweise auf Kursmanipulation gibt", sagte eine Sprecherin der Behörde. Die Geschäftsprognose, wonach der operative Gewinn (Ebit) in diesem Jahr um mindestens 45 Prozent steigen soll, hatte das Unternehmen zuletzt bekräftigt. Gerüchte um eine Übernahme könne Wirecard nicht bestätigen, erklärte das Unternehmen am Freitag.