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Nach langwierigen Verhandlungen haben die Notenbankgouverneure und Aufsichtsbehörden der 10 führenden Industrienationen (G-10) die neuen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel II) verabschiedet. In einer Sondersitzung bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) billigten die Notenbankvertreter die Veröffentlichung einer zuvor vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht erarbeiteten Rahmenvereinbarung.
Die Deutsche Bundesbank und Vertreter von Bankenverbänden begrüßten die Verabschiedung und forderten nun eine zügige Umsetzung des Regelwerks. Nach den neuen Regeln soll sich die Eigenkapitalunterlegung von Bankkrediten künftig stärker nach der Bonität der Kreditnehmer richten. Jean-Claude Trichet, derzeit zugleich G-10-Chairman und Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), zeigte sich überzeugt, der neue Baseler Akkord werde die Stabilität des Finanzsystems generell stärken. Zudem verbessere sich dessen Fähigkeit, als Quelle für nachhaltiges Wachstum zu dienen. Das neue Regelwerk stelle für die Banken eine beispiellose Chance zur Verbesserung ihres Risiko-Managements dar, fügte Jaime Caruana, Chairman des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, hinzu.
Allerdings gelangen die neuen Regeln frühestens zum Jahresende 2006 zur Anwendung. Dies gilt für den so genannten Standardansatz. Für die vor allem für Großbanken gedachten fortgeschrittenen Methoden nennt die G-10-Gruppe als Termin das Jahresende 2007. Hierdurch soll den Instituten sowie den jeweiligen Aufsichtsbehörden ermöglicht werden, noch genauere Informationen über die Implikationen von Basel II zu erlangen und bis zum endgültigen Inkrafttreten möglicherweise noch Feinadjustierungen an dem Regelwerk vornehmen zu können.
Bundesbank spricht von "Meilenstein"
Die Verabschiedung der neuen Eigenkapitalregeln stieß auf ein positives Echo von Deutscher Bundesbank. Edgar Meister, bei der Bundesbank für die Bankenaufsicht zuständiger Vorstand, bezeichnete die Verabschiedung als "Meilenstein". Seiner Ansicht nach wird der ganzheitliche Ansatz von Basel II zur Stärkung der Stabilität des internationalen Banken- und Finanzsystems beitragen. Die Banken und die Aufsichtsbehörden erhielten mit der getroffenen Vereinbarung nun die notwendige Planungssicherheit, machte Meister deutlich. Der Bundesbank-Vorstand forderte die Institute auf, die begonnenen Umsetzungsarbeiten nun zügig fortzusetzen und zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Auch Bankenvertreter lobten die nun erreichte Planungssicherheit. Dem geplanten gestuften Inkrafttreten bis spätestens 2008 stehe nun nichts mehr im Wege, hieß es. Auch die Vorbereitungen der deutschen Aufsicht befinden sich laut Bundesbank voll im Zeitplan.
Kreditversorgung des Mittelstands nicht gefährdet
Sowohl Bundesbank als auch BVR stellten es als Erfolg der deutschen Verhandlungsdelegation dar, dass es nicht zu den befürchteten Verschlechterungen der Finanzierungsbedingungen für den Mittelstand durch Basel II gekommen ist. Auf Grund der Berücksichtigung der höheren Granularität (große Zahl kleinerer Kreditnehmer) von Mittelstandsportfolien in den Regeln werde den spezifischen Bedürfnissen der kleineren und mittleren Unternehmen Rechnung getragen, erläuterte Meister. Auch künftig sei deshalb die Kreditversorgung des Mittelstands zu angemessenen Konditionen gewährleistet.
Foto: Stadtmarketing Basel