MiFID II auf Kollisionskurs
Strengere Vorschriften für Ratingagenturen in Europa
Einheitliche europäische Bankenaufsicht soll Risiken reduzieren
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KÖLN, 5.7.2012. Im Hinblick auf eine bevorstehende wichtige Abstimmung zu MiFID II im Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments am 9. Juli gehen Marktteilnehmer davon aus, dass aktuelle Vorschläge zur Reform von Preisbildungspraktiken auf dem Fixed-Income-Markt die Fähigkeit von Handelsgesellschaften beeinträchtigen werden, Liquidität zur Verfügung zu stellen. Außerdem könnten sich die Handelskosten für Investoren erhöhen und die Kapitalbeschaffung dadurch für Regierungen und Unternehmen schwieriger und kostspieliger. Angesichts der bereits angespannten Lage auf den Kreditmärkten Europas und in Verbindung mit den geplanten Basell-III-Vorschriften hinsichtlich Eigenkapitalanforderungen können Vorschläge zur Preisgestaltung wesentliche negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft Europas haben, glaubt Rebecca Healey, Senior-Analyst bei der Research-Gesellschaft TABB Group. Sie ist Autorin einer Studie, in deren rahmen die potenziellen Auswirkungen der MiFID II-Vorschläge zur vorbörslichen Transparenz auf den Fixed-Income-Markt, seine Anleger und die europäische Wirtschaft insgesamt untersucht wurden. Laut Healey verschlimmerten die Vorschläge die aktuell angespannte Lage auf den europäischen Kreditmärkten. "Insbesondere gehen wir davon aus, dass sie die Risiken beim Handel mit zahlreichen festverzinslichen Finanzinstrumenten erhöhen würden, was Handelsunternehmen in ihrer Kundenaktivität beschränken würde, und einige sogar gänzlich vom Markt verschwinden ließe."
Während Aktienkapital hauptsächlich über Börsen gehandelt wird, werden die meisten festverzinslichen Finanzinstrumente nach wie vor zweiseitig direkt auf einem außerbörslichen Markt abgewickelt. "Die Forderung nach umfassender Transparenz unabhängig von Produkt, Auftragsart oder zugrundeliegendem Markt hat einen Preis, der nicht zu vernachlässigen ist", warnt Healey. Die Analystin glaubt, dass eine größere Transparenz Marktteilnehmer dazu zwingen könnte, Handel mit ausschließlich ausreichend liquiden Anleihen zu betreiben, um so die Handelskosten zu reduzieren. Dies würde sowohl Auswirkungen auf die Erstemission als auch den Sekundärhandel haben. Projektfinanzierungen, Stadtverwaltungen, Regionalverwaltungen und mittlere Unternehmen würden allesamt darunter leiden. Kleine und mittlere Unternehmen und weniger robuste Staaten werden an die Seite gedrängt, was weitreichende Auswirkungen auf die breite europäische Gesamtwirtschaft haben wird, deren Gesundheit im direkten Zusammenhang mit der Gesundheit der Kapitalmärkte steht, insbesondere wenn internationale Anleger aussteigen und staatliche Emittenten mehr und mehr ausschließlich von inländischen Anlegern abhängig werden.