IWF warnt vor Risiken aus Staatsverschuldung
Immobilienverband wehrt sich gegen CRD IV-Entwurf
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KÖLN, 23.7.2010 (DJN). Erwartungsgemäß ist die verstaatlichte Hypo Real Estate Holding AG (HRE) als einzige deutsche Bank beim Stresstest der europäischen Bankenaufseher gescheitert. Der Immobilien- und Staatsfinanzierer erreichte in zwei Stressszenarien nicht die geforderte Kernkapitalquote von 6 %. In einer gemeinsamen Pressemitteilung sahen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Deutsche Bundesbank dennoch keinen unmittelbaren Kapitalbedarf für das mitten in der Restrukturierung stehende Institut. Dies sei erst notwendig, wenn die angenommenen Krisenszenarien wirklich einträten.
Mit dem Test hatten die europäischen Bankaufsichten 91 europäische Banken darauf geprüft, ob ihre Kapitalausstattung selbst dann ausreicht, wenn die Wirtschaftskrise zurückkehrt. In den besonders aufmerksam verfolgten Stressszenarien wurde dabei einer Konjunkturschwäche sowie eine neue Krise bei den europäischen Staatsanleihen durchgespielt. Griechische Papieren mit fünf Jahren Laufzeit wurden dabei beispielsweise mit einem Abschlag von 23,1 % bewertet. Der Test galt als bestanden, wenn die Kernkapitalquote auch im strengsten Stressszenario nicht unter 6 % fiel.
Die HRE beschwichtigte nach Vorliegen des Test-Ergebnisses, dieses sei für den eigenen Konzern wenig aussagekräftig. Es berücksichtige weder die bevorstehende Aufspaltung in eine Kern- und eine Abwicklungsbank noch die geplanten Rekapitalisierung durch den Bankenrettungsfonds SoFFin, teilte das Unternehmen mit. "Bei vollständiger Rekapitalisierung würde die HRE eine Kernkapitalquote von 6 % in allen Szenarien des aktuellen Stresstests übertreffen."
Trotz des Scheiterns im Stresstest sahen BaFin und Bundesbank bei der HRE keinen unmittelbaren Kapitalbedarf. Dies wäre erst der Fall, wenn die angenommenen Krisenszenarien wirklich einträten. Die abschließende Rekapitalisierung solle in den kommenden Wochen folgen. Der Bund als HRE-Eigentümer will zuvor noch die Zustimmung der EU-Wettbewerbshüter zur Auslagerung von bis zu 210 Mrd. EUR in die Abwicklungsanstalt "FMS Wertmanagement" abwarten.
Bislang hatte die HRE für ihre Rekapitalisierung bei der SoFFin 10 Mrd EUR beantragt. Davon sind bislang 7,87 Mrd. EUR bewilligt worden. Die gesetzlich geforderte Kernkapitalquote von 4 % werde mit den vorhandenen Mitteln in allen Stress-Szenarien eingehalten, betonte die HRE. Der Stresstest hatte für die HRE-Kernkapitalquote in zwei Simulationen lediglich Werte von 4,7 % und 5,3 % gezeigt, erforderlich wären 6% gewesen. Lediglich beim etwas optimistischeren Benchmark-Szenario blieb der Konzern mit 7,8 % darüber.
"Die Hypo Real Estate hat die 6 % Linie deutlich verfehlt", sagte BaFin-Präsident Jochen Sanio. Das Institut, das als eine von insgesamt sieben europäischen Banken den Test nicht bestand, sei jedoch "außer Konkurrenz" gelaufen, da der Umstrukturierungsprozess in vollem Gang sei und das Unternehmen dem Staat gehöre. Theoretisch hätten die Behörden das Institut deshalb auch aus dem Test herausnehmen können. Für die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung fiel der Test erwartungsgemäß aus. "Da der Stresstest die voranschreitende Neustrukturierung der HRE noch nicht berücksichtigt, ist das heute vorgelegte Ergebnis nicht überraschend", sagte Hannes Rehm, Sprecher des Leitungsausschusses der Bundesanstalt.
Die geplante Aufteilung der HRE habe bei dem Test noch nicht berücksichtigt werden können, weil bislang unklar sei, welche Assets in die Abwicklungsbank verlagert würden, sagte die Exekutivdirektorin für Bankenaufsicht bei der BaFin, Sabine Lautenschläger: "Wir können erst nach der Auslagerung entscheiden, welche Tier 1 Quote die HRE dann hat.
Das verstaatlichte Institut, das in den vergangenen beiden Jahren nur durch massive Stützung des Bundes gerettet werden konnte, war durch Fehlspekulationen seiner Tochter Depfa in Schwierigkeiten geraten.