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Finanzkrise als größte Bedrohung für die Welt

Von Martina Neumayr


4.3.2010. Finanzkrisen, Unterinvestition in Infrastruktur und die Auswirkung chronischer Krankheiten sind die drei Hauptrisiken, die das World Economic Forum (WEF) in seinem fünften Global Risks Report ausgemacht hat. Weitere Risiken sieht das WEF durch Einbrüche bei den Vermögenspreisen, die Verlangsamung des Wachstums in China auf jährlich unter sechs Prozent sowie in geopolitischen Konflikten, die mit dem politischen Chaos in Afghanistan in Verbindung stehen. Hierbei ist deutlich hervorzuheben, dass alle aufgeführten Risikobereiche in signifikantem Maß miteinander verknüpft sind. Hieraus resultiert auch die Notwendigkeit für die Entscheidungsträger der führenden Nationen, bei der Steuerung und Überwachung der Risiken noch enger als bisher zusammenzuarbeiten. 

Die Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten beiden Jahre hat das Vertrauen bei Unternehmen, Investoren aber auch bei Verbrauchern grundlegend erschüttert. Das betrifft gleichermaßen das Vertrauen in die Kraft des Marktes wie auch das Vertrauen in die Fähigkeit des Staates den Markt zu steuern. Trotzdem hat der öffentliche Sektor durch die Krise in zahlreichen entwickelten Volkswirtschaften eine weitaus größere Rolle übernommen, als es vorher im freien Spiel der Kräfte gewollt war. Jetzt versuchen Zentralbanken die Liquidität zu fördern und Regierungen die Nachfrage mit umfangreichen Konjunkturprogrammen anzukurbeln. Infolgedessen erreicht die öffentliche Verschuldung in vielen Industrieländern neue Höchststände. So stieg das durchschnittliche Verhältnis von Schulden zu BIP innerhalb der G-20 von 78 Prozent im Jahr 2007 auf rund 118 Prozent Anfang 2010. Ein solches Maß an Schulden ist auf Dauer unhaltbar. Von entscheidender Bedeutung für die Zukunft werden deshalb das Timing und der Grad an Finanzausgleich sein.

Die Regierungen stehen hierbei vor der Herausforderung die Konjunkturprogramme recht bald auslaufen zu lassen, so dass die Wirtschaft sich weiterhin erholt, aber ohne dass sich Haushaltsdefizite, Staatsverschuldung und anhaltende Kapitalflucht weiter verschlimmern. In diesem Zusammenhang geben die Ereignisse in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Griechenland ein eindeutiges Zeichen der Warnung. So sind beispielsweise in Griechenland Haushaltsdefizit und Verschuldung der öffentlichen Hand nun anscheinend viel höher als vorher zugegeben. Laut Schätzungen von D&B sind hier auch die USA und das Vereinigte Königreich betroffen, wo das Haushaltsdefizit in diesem Jahr 14,0 bzw. 13,4 Prozent des BIPs erreichen wird. Aktuellen Plänen zufolge wird die öffentliche Verschuldung im Vereinigten Königreich im Jahr 2014 mit ca. 105,0 Prozent des BIPs ihren Höchststand erreichen und mit 110 Prozent in den USA. Wobei im Fall der USA und des Vereinigten Königreichs das Risiko eines Staatsbankrotts sehr unwahrscheinlich ist.

Spekulative Blasen bei Vermögenspreisen und langsameres Wachstum in China
Der zweite Hauptbereich ist laut WEF-Bericht die Möglichkeit weiterer Einbrüche bei den Vermögenspreisen. Auch das wäre eine beunruhigende Entwicklung. Hier sieht D&B eine durch Liquidität und nicht durch Schulden verursachte spekulative Blase bei den Vermögenspreisen. Mit einem Fragezeichen versehen ist immer noch die Widerstandskraft der weltweiten wirtschaftlichen Erholung. Noch immer stehen viele Unternehmen vor dem Konkurs, besonders kleine und mittelständische Betriebe. Hier könnte es einige der G20-Staaten noch hart treffen und der Höhepunkt ist 2010 noch nicht erreicht.

Insbesondere zeigt sich das WEF besorgt angesichts des „unausgeglichenen Wachstumskurses“ der chinesischen Wirtschaft und der spekulativen Blasen, die dies am Aktien- und Immobilienmarkt schafft. Jedoch sieht D&B hierin keine Bedrohung des Gesamtsystems. Vielmehr sieht D&B ermutigende Zeichen aus China. Die angekündigte Verlagerung des politischen Fokus hin zu den Provinzen im Inland und die Zunahme der Urbanisierung, geben Konjunkturanreize die stark auf die Entwicklung der Infrastruktur in Zentralchina und dem chinesischen Inland ausgerichtet sind. Warnungen des WEF, wonach eine starke Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China zu Massenarbeitslosigkeit und sozialen Unruhen führen könnte, scheinen derzeit übertrieben. D&B geht davon aus, dass das reale BIP in China 2010 um 7,9 Prozent wachsen wird und das Wachstum 2011 sich noch einmal beschleunigen wird.

Insgesamt gesehen warnt das WEF davor, dass große Teile der weltweiten Wasser-, Verkehrs- und (insbesondere) Energieinfrastruktur mittlerweile strukturelle Mängel aufweisen oder funktional veraltet sind. Es bedarf beträchtlicher Investitionen, damit ein „katastrophales Versagen“ vermieden werden kann. Angesichts der Tatsache, dass die Lage der öffentlichen Haushalte in vielen Ländern angespannt ist, wird die Finanzierung solcher Auslagen schwierig sein. Damit wird die alternde Infrastruktur längerfristig ein großes Hindernis für Entwicklung Unternehmen und Märkten darstellen könnte.

Martina Neumayr ist Director Risk Management Solutions & Partner bei D&B Deutschland.