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Struktureller Anpassungsbedarf

Von Roger Schneider


Europäische Investmentindustrie unter der Lupe

 

22.7.2010. Die europäische Investmentindustrie hat nach herben Einbußen im Vorjahr mit einem Wachstum von etwa 15 Prozent insgesamt 2009 eine erfolgreiche Entwicklung erfahren. Der Aufschwung wurde zunächst überwiegend von einer positiven Marktentwicklung praktisch über alle Anlageklassen hinweg getragen. Nun zeichnet sich in den ersten Monaten 2010 auch beim Nettomittelaufkommen wieder ein positiveres Bild ab. Dies unterstreicht die Kompetenz der Branche, sowohl Privatanleger als auch institutionelle Investoren in der jetzigen, von spürbaren Verwerfungen geprägten, schwierigen Marktphase sachgerecht zu beraten und sie in ihren Anlageentscheidungen positiv zu unterstützen. Deshalb dürfte auch 2010 von weiterem Wachstum geprägt sein.

Wirft man einen differenzierteren Blick auf die Branche, so offenbart sich ein zunehmender struktureller Anpassungsbedarf: Zum einen ist da eine unübersehbar große Zahl von Fonds, die nie die notwendige kritische Masse erreicht haben, um sie europaweit platzieren zu können. So gibt es in Europa etwa 33.000 Fonds, davon viele mit gleichem Anlageschwerpunkt, aber nur wenige, die auch über einen langen Zeitraum ansprechende Performanceergebnisse geliefert haben. Die Mehrzahl dieser Fonds dürfte bei einem durchschnittlichen Volumen von etwa 150 Mio. Euro für die Gesellschaften kaum profitabel zu managen sein.   

Unzureichende Profitabilität aber begrenzt die Fähigkeit der Gesellschaften, in die Bereiche zu investieren, die für Investoren zunehmend an Bedeutung gewinnen und zur Differenzierung des Asset Managers beitragen: Ein Risikomanagement, das ein breites Spektrum an Risiken - besonders auch Liquiditätsrisiken - nicht nur erfasst und misst, sondern auch speziell auf die Besonderheiten der jeweiligen Investmentprozesse abstellt. Ein Portfoliomanagement, in dem fundiertes Research und die Fähigkeit die Risikobudgets der Fonds effizient zu nutzen, die Basis für eine erfolgreiche Generierung risikoadjustierter Überrenditen legt. Letztlich geht es auch darum, Anlegern Expertise in alternativen Anlageklassen wie etwa Rohstoffen oder Schwellenländern anzubieten, die heute mehr denn je unabdingbar sind, um komplexe Asset/Liability-Strukturen angemessen abzubilden.

Die so genannte UCIT IV-Richtlinie hat sich zum Ziel gesetzt hat, die Effizienz der Fondsindustrie in Europa deutlich zu steigern. Länderübergreifende Fondszusammenschlüsse werden erleichtert und der Vertrieb über den sogenannten europäischen Investmentpass und vereinfachte Zulassungsverfahren gestärkt. Dies gibt schon heute einen Vorgeschmack auf den immer schärfer werdenden  Konkurrenzdruck – vom Erfolg der börsennotierten Fonds ganz abgesehen. Gesellschaften, die über hohe Skalierbarkeit ihrer Prozesse und die Fähigkeit zu grenzübergreifender Plazierung verfügen dürften begünstigt werden, wie auch gut aufstellte, erfolgreiche Nischenanbieter. Für die große Mitte der Branche aber, vor allem für kleinere, nicht spezialisierte oder nur im lokalen Markt operierende Gesellschaften wird es zunehmend schwieriger, am Branchenwachstum insgesamt teil zu haben. Hier stehen die Zeichen der Industrie auf Konsolidierung.

Roger Schneider ist Senior Director Fund & Asset Manager-Ratings bei Fitch Ratings in Frankfurt am Main.