Anleger sollten das China-Risiko im Auge behalten

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31. März 2017
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Von Larry Hatheway

Die dualen Bewegungen an den Kapitalmärkten – sprich steigende Aktienkurse und Anleihenrenditen - scheinen sich analog zu den letzten neun Monaten fortzusetzen. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass sich die Marktperformance verändert. Bewegungen dürften sich verlangsamen, und es ist mit häufigeren Pausen zu rechnen. Vor allem unter den Aktien ist eine stärkere geografische Rotation zu erwarten, sobald Anzeichen für ein gesteigertes Gewinnwachstum vorliegen. Das gilt insbesondere für Europa, die Schwellenländer und in geringerem Umfang für Japan.

Die Erwartungen an die Geldpolitik hängen vom Eintritt eines möglichen Wendepunkts ab. Dies signalisierte die US-Notenbank Fed bereits vor über einem Jahr, als sie den Normalisierungsprozess einleitete, den sie im März mit einer Zinserhöhung bestätigte. Es ist davon auszugehen, dass die politischen Risiken in Europa nach den Wahlen in Frankreich nachlassen werden. Dies dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) zu einem der Fed ähnlichen Kurs bewegen: hin zu einer neutraleren Geldpolitik, der Drosselung von Wertpapierkäufen und möglicherweise sogar die Aufhebung der Negativzinsen. Zusammengenommen dürften die Maßnahmen von Fed und EZB einen weiteren Anstieg der Anleiherenditen im späteren Verlauf dieses Jahres antreiben - im Einklang mit einer allgemeinen Normalisierung der Geldpolitik in der Weltwirtschaft.

Die Anleger konzentrieren sich nach den Schocks des Jahres 2016 – Brexit, US-Wahlen und Referendum in Italien – hauptsächlich auf die politischen Risiken. Es ist verständlich, dass der Marktfokus 2017 ebenso auf politischen Ereignissen liegt. Derzeit herrscht Unsicherheit im Hinblick auf die Wahlen in Frankreich und Deutschland. Die dualen Risiken, die es zu berücksichtigen gilt, sind jedoch alte Bekannte. Zu ihnen zählt die Möglichkeit, dass die Inflation stärker beschleunigt als angenommen. Das gilt insbesondere in den USA, wo sich die Wirtschaft der Vollbeschäftigung nähert. Als zweites Risiko ist China zu nennen. Hier zeichnet sich ein langsameres Kreditwachstum ab, und auch der Kreditimpuls wird negativ. Dies deutet auf ein schwächeres Wachstum im späteren Verlauf dieses Jahres hin. Die Sorge über Chinas Wachstum zählte seit über einem Jahr nicht zu den größten Bedenken der Anleger. Allerdings lösten Sorgen in Bezug auf China die beiden größten Marktrückschläge der letzten 18 Monate aus. Ein besonderes Auge auf das Land der goldenen Mitte ist daher geboten.

Autor: Larry Hatheway, Group Head GAM Investment Solutions und Chefökonom beim Asset Manager GAM.

Bildquelle: www.gam.com