Wird der Euro wieder glänzen?

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10. Januar 2018
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Von Christophe Bernard

Im Rückblick auf die Währungsentwicklungen im Jahr 2017 fällt vor allem die Stärke der europäischen Währung auf. Sie gewann gegenüber allen anderen Hauptwährungen an Wert, insbesondere gegenüber dem US-Dollar (+14 Prozent). Das lag hauptsächlich an den folgenden drei Faktoren:
1. Anfang 2017 war der Euro gegenüber dem US-Dollar gemessen an der Kaufkraftparität deutlich unterbewertet. Allein schon dies deutete auf Aufwärtspotenzial hin.
2. Die wirtschaftliche Entwicklung der Europäischen Währungsunion übertraf die Konsenserwartungen deutlich. So wuchs das reale Bruttoinlandprodukt (wahrscheinlich) um 2.4 Prozent, während Ende 2016 1.6 Prozent prognostiziert worden waren. Verglichen mit der US-Wirtschaft, die 2017 (wahrscheinlich) um 2.3 Prozent zulegte, ist das ein gutes Ergebnis.
3. Die Wahl des proeuropäischen Zentrumspolitikers Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten verlieh dem Euro kräftigen Auftrieb, da sie das wahrgenommene politische Risiko sinken ließ. Gleichzeitig schaffte es die Trump-Regierung nicht, Reformen für mehr Wachstum zügig zustande zu bringen. Das enttäuschte die hohen Erwartungen, die nach der Wahl im November 2016 entstanden sind.

Mittelfristig erwarten wir, dass der Euro aufgrund des Leistungsbilanzüberschusses der Eurozone weiter in Richtung 1.25 bis 1.30 US-Dollar steigt. Die kurzfristigen Aussichten sind jedoch weniger rosig. Wir bleiben bei unserer neutralen Haltung und raten den Kunden daher nicht, jetzt dem Euro hinterherzulaufen. 

Diese Meinung beruht auf Folgendem:
1. Unsere internen kurzfristigen Modelle zeigen eine Überbewertung gegenüber dem US-Dollar an. Wir sehen den fairen Wert derzeit im Bereich 1,10 bis 1,15 US-Dollar.
2. Die US-Währung ist überverkauft und die Erwartungen bezüglich des US-Wirtschaftswachstums sind konservativ, sodass positive Überraschungen möglich sind. Außerdem müssen die Marktteilnehmer die drei Zinserhöhungen, welche die US-Notenbank für dieses Jahr in Aussicht gestellt hat, erst noch einpreisen.
3. Vor den demnächst stattfindenden Parlamentswahlen in Italien dürften wieder politische Risiken aufkommen. Für weiteren Gegenwind könnten die noch immer ergebnislosen Koalitionsgespräche in Deutschland und die politische Hängepartie in Katalonien sorgen.

Yen könnte schwächeln, Pfund als große Unbekannte

Obwohl der japanische Yen attraktiv bewertet ist, dürfte er aufgrund der Entschlossenheit der Bank of Japan, den Märkten reichlich Liquidität bereitzustellen, in nächster Zeit schwach tendieren. Das britische Pfund bleibt indes die große Unbekannte. Es ist die am günstigsten bewertete Hauptwährung, doch die Unsicherheit im Zusammenhang mit den Brexit-Verhandlungen dürfte anhalten und sein Potenzial begrenzen. Die Schwellenländerwährungen dürften sich 2018 gut entwickeln. Ihre Realrenditen sind nämlich wesentlich höher als die der Industrieländerwährungen. Gleichzeitig sind die Schwellenländerwährungen nicht überbewertet und robuster als früher, insbesondere im Vergleich mit der Phase des sogenannten „Taper Tantrum“ im Mai und Juni 2013. Damals brachen sie ein, da die Investoren eine abrupte Straffung der US-Geldpolitik befürchteten.

Fazit: Der Euro dürfte 2018 nicht wieder der Gewinner sein, denn er muss seine jüngsten Wertzuwächse verarbeiten. Seine mittelfristigen Aussichten bleiben aber intakt. Unserer Einschätzung nach dürfte die schwedische Krone 2018 gegenüber dem Euro zulegen. Insgesamt bevorzugen wir aber Schwellenländerwährungen. Für sie sprechen das günstige globale Umfeld, die angemessenen Bewertungen und die sowohl nominalen als auch realen Renditevorteile.

Autor: Christophe Bernard, Chefstratege sowie Vorsitzender des Anlageausschusses bei der Bank Vontobel.